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Leopold v. Ranke.
König, der den dritten Stand verdoppelt hatte, um an ihm eine Stützezu finden, vor seiner eigenen Schöpfung erschrak und durch die Haltungdes dritten Standes bewogen wurde, sich auf die Seite der privilegiertenStände zu schlagen. Der dritte Stand erklärte sich nun, wie in Nord-amerika, nicht nur gegen die Stände, sondern auch gegen den König, undes kam nun zu jenem berühmten Auftritte, wo die Bevölkerung von Paris,für den dritten Stand begeistert, nach Versailles zog, den König nötigte,nach Paris zu gehen, und ihn dort gewissermaßen zum Gefangenen machte.Der König ließ nun den Adel wissen, er solle sich mit dem dritten Standevereinigen, und dieser setzte seine Ansicht durch, daß über jede einzelneFrage par töte abgestimmt werden sollte.
Dadurch wurde nun alles zum Umstürze reif. Nunmehr bekam dieTheorie der Repräsentation und die Ansicht, daß die Gewalt von untenaufsteige, die Oberhand, und die Männer, die hier vereinigt waren, gingendaran, die Verfassung Frankreichs auf dieser Grundlage aufzubauen,welche allem widersprach, was da bestand. Sie mußten aber hierin vielweiter gehen als die Nordamerikaner. Dort hatte es genügt, einige wenigeBeamte zu beseitigen und Gewählte an ihre Stelle zu setzen; hier warder alte romano-germanische Staat eingewurzelt, dessen Einrichtungensämtlich hinweggeräumt werden mußten. Es war die Abstraktion deramerikanischen Idee und nicht die Realität. Dieses fiel gerade in den Mo-ment, wo der Kampf zwischen den beiden Mächten der Monarchie undAristokratie auf das wütendste entbrannt war. Man darf behaupten, daßdie Nachgiebigkeit des Königs in dieser Beziehung eine höchst verkehrteund unheilvolle war; aber das ist eben das Unglück der Menschen, daß sieihre Maßregeln von Minute zu Minute ergreifen. Diese Konzession vonfeiten des Königs führte nun zu der konstituierenden Versammlung.
Ich habe gezeigt, wie diese Idee des von unten her zu gründendenStaates aus Amerika nach Europa hinübergewandert war und wie dieseAbstraktion der amerikanischen Republik in Europa Wurzel schlug, undzwar gerade in dem Lande, das in allen Dingen immer den Ton ange-geben hatte. So nun trat jene konstituierende Versammlung zusammen,welche eine Verfassung machen wollte, in der das Königtum neben denanderen Faktoren der Gewalt bestehen sollte. Dies konnte aber von keinerDauer sein; denn das monarchische Prinzip war untergraben, und einanderes Prinzip als das republikanische existierte nicht. Bald entwickeltesich aus der konstitutionellen Partei die jakobinische, welche die Idee derVolkssouveränität und der von unten aufsteigenden Gewalt in ihrenäußersten Konsequenzen geltend machte, bis die ganze Nation, von einemfanatischen Schwindel ergriffen, an nichts anderes mehr dachte als anVerwirklichung ihres politischen Ideals von Freiheit, Gleichheit, Brüder-lichkeit.
Schritt für Schritt gelangte man zur Absetzung Ludwigs XVI., zuseiner Hinrichtung und endlich zur Proklamierung der Republik. Mittler-