Band 
III. Das Altertum.
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Die olympischen Spiele

Bon Ernst Curtius.

Olympia war ein ländlich stiller Ort, und die Waldeinsamkeit desAlpheiostals wurde nur durch die Schritte der Wanderer unterbrochen,die des Wegs zogen und am Zeusaltare ihr Gebet sprachen.

Aber wie veränderte sich alles, wenn das vierte Jahr, das Jahrder großen Olympien, herankam und wenn die heiligen Gesandten,„Zeus des Kroniden Friedensboten, der Jahreszeiten Herolde", vonden Pforten der Altis auszogen und den Hellenen die ersehnte Kundebrachten: „Das Fest des Zeus ist wiedemm nahe, aller Streit soll ruhen,jeder Waffenlärm schweige! Frei mögen auf allen Land- und Wasser-straßen die Pilger heranziehen zu der gastlichen Schwelle des Zeus!"

Alle Hellenen waren eingeladen, ausgeschlossen nur die Schuld-beladenen oder die dem olympischen Zeus Ehrfurcht versagt oder diesich an der gemeinsamen Sache der Hellenen versündigt hatten. Dieeingeladenen Städte schickten ihre angesehensten Männer als Gesandt-schaften nach Olympia, die auf stattlichen Wagen, in Prachtgewändergekleidet, mit zahlreichem Gefolge zum Zeusfeste wallfahrteten undim Namen ihrer Städte herrliche Opfer darbrachten. Die Städte derKolonien benutzten dies Fest, um sich mit dem Mutterlande in leben-digem Zusammenhange zu erhalten; ihre Bürger eilten in den vonStürmen selten beunmhigten Sommermonaten herbei, und das jonischeMeer sowie die breite Alpheiosmündung füllte sich mit den bekränztenFestschiffen der auf den Küsten von Asien und Afrika, von Italien,Sizilien und Gallien wohnenden Hellenen.

Es war die größte hellenische Volksversammlung, welche sich inOlympia vereinigte. Was also eine möglichst große Verbreitung unterallen Stämmen der Hellenen erreichen sollte, wurde durch die HeroldeOlympias ausgerufen, so die Ehrenbezeugungen, die eine Stadt deranderen zuerkannte, später die Verordnungen Makedoniens und Roms,> welche alle Hellenen angingen. Weisheit und Kunst stellten hier ihreWerke zur Schau und zur Prüfung aus, und wo konnte Herodot seinunsterbliches Werk über die Kämpfe der Hellenen und Barbaren liebervorlesen als in Olympia!