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kehrsstraßen jedes Haus gegen die Straßenseite einige mit gemauertenLadentischen versehene Buden hat. Bei dem Gedränge und Gewühlder römischen Straßen machte sich der Übelstand ihrer Verengung durchdiese Vorbauten zuweilen so fühlbar, daß eine Abhilfe nötig ward. GanzRom, sagt Martial (im Jahre 92), war eine große Taberne geworden,alle Straßen von Krämern und Händlern, Fleischern, Schenkwirten undBarbieren in Beschlag genommen, man sah keine Hausschwellen mehr.Hier hingen am Pfeiler der Schenke angekettete Weinflaschen, dortschwang mitten im dichtesten Gedränge der Barbier sein Schermesser,dampfende, rußgeschwärzte Garküchen nahmen die ganze Breite einerStraße ein, und Prätoren waren gezwungen, durch den Kot des Fahr-damms zu wandeln. Domitian schränkte die Tabernen ein, und nunwurden die Straßen, die bloße Pfade gewesen waren, für den Verkehrwieder wegsam. Doch blieben die hölzernen Vorbauten der Häuserzahlreich, wie Herodian bei der Beschreibung eines Straßenkampfszwischen dem Volk und den Prätorianern im Jahre 237 oder 238 aus-drücklich sagt: sie verbreiteten das von den letzteren angelegte Feuerschnell über einen sehr großen Teil der Stadt.
Aber trotz aller Mängel seiner Straßen und seiner Lage war Romeine Stadt ohnegleichen. Was hauptsächlich zusanimenwirkte, um denEindruck zu einem überwältigenden zu machen, war dies: das unge-heure, ewig wechselnde Gewühl einer aus allen Ländern zusammen-geströmten Bevölkerung, das verwirrende und berauschende Treibeneines wahrhaften Weltverkehrs, die Großartigkeit, Pracht und Mengeder öffentlichen Anlagen und Bauten, endlich die unermeßliche Aus-dehnung der Stadt. „Von welchem Standpunkte", fragt ein gewisserSchriftsteller, „vermöchte man so viele mit Gebäuden bedeckte Höhenoder in Städte verwandelte Täler oder vielmehr so viel in eine Stadtzusammengefaßtes Land vollkommen zu überschauen? Wo man sichauch befindet, man ist immer in der Mitte". In der Tat, wer damalsvon der Höhe des Kapitols herabschaute, dessen Blick verlor sich in einemGewirr von Prachtgebäuden, Palästen und Denkmälern jeder Art, daszu seinen Füßen sich meilenweit über Tal und Hügel in unabsehbareFerne Hinbreitete. Wo jetzt sich eine ruinenerfüllte Einöde gegen dasAlbanergebirge hin erstreckt, über der Fieberluft brütet, war damals einedurchaus gesunde, überall angebaute, von lebenwimmelnden Straßendurchschnittene Ebene. Nach keiner Seite hin hatte die Stadt eine eigent-lich Grenze, es gab kein gewisses Kennzeichen, nach dem man hätte be-stimmen können, wie weit sie reichte und wo ein neues Gebiet anfing.Überall griffen ihre Ausläufer in die Campagna hinaus und verschlangennach und nach die zahlreichen umliegenden Flecken und Ortschaften, undihre Vorstädte verloren sich in neuen Anlagen prachtvoller Landhäuser,Tempel und Monumente, deren marmorne Zinnen, Giebel und Kuppelnaus dem dunkeln Grün der Haine und Gärten hervorleuchteten.
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