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II. Das Jahrhundert nach demdreißigjährigen Kriege.
5. Das Übergewicht Frankreichs unterLudwig XIV. (1643-1715).
In Frankreich hatten schon Heinrich IV. (1589—1610) undunter seinem Nachfolger Ludwig XIII. (1610—1643) der Kar-dinal Richelieu (1624—1642) mit Erfolg danach gestrebt, imInnern die königliche Gewalt von allen Schranken (Adel, Parla-mente, Hugenotten) zu befreien, nach außen hin die erste Stelleunter den europäischen Mächten den Habsburgern zu entreißen undden Bourbonen zu verschaffen. Unter Ludwig XIV. (1643 bis1715) setzte während der Unmündigkeit des Königs der KardinalMazarin (1643—1661) diese Bestrebungen fort; er erweitertedurch den westfälischen Frieden mit Deutschland 1648 und denpyrenäischen Frieden mit Spanien 1659 das Gebiet des Staatesund eröffnete demselben durch die Vermählung Ludwigs XIV. mitMaria Theresia, der ältesten Tochter Philipps IV. von Spanien,neue Gebietserwerbungen. Nach seinem Tode übernahm der Königohne leitenden Minister selbst die Regierung und vollendete das vonRichelieu begonnene Werk.
1. Die 3 Eroberungskriege, a) Der Devolutionskrieggegen Spanien 1667—1668. Nach dem Tode Philipps IV. vonSpanien und der Thronbesteigung seines Sohnes zweiter Ehe,Karls II., verlangte Ludwig auf Grund des in Brabant für dieprivate Erbfolge giltigen Devolutionsrechtes, wonach die Kinder ersterEhe denen der zweiten in der Erbfolge vorangingen, die Nachfolgein den spanischen Niederlanden für seine Gemahlin Maria Theresia.Er eroberte 1667 eine Reihe von Städten in Flandern, imfolgenden Jahre die Franche-Comts, wurde jedoch durch dieTripelallianz zwischen Holland, England und Schweden amweiteren Borgehn gehindert. Im Frieden zu Aachen 1668 gaber die Franche-Comtä an Spanien zurück, behielt jedoch seine Er-oberungen in Flandern (darunter Lille und Tournai).
b) Krieg gegen Holland und dessen Verbündete 1672—1679.Um sich an Holland für sein Dazwischentreten zu rächen, rückte