Band 
Dritter Teil.
Seite
51
JPEG-Download
 

51

daß der tüchtige Heinrich von Planen abgesetzt wurde und dieLandmeister in Livland und Deutschland offen den Gehorsam ver-weigerten, wurden die Unterthanen durch die Einführung neuerZölle und Steuern zur Abtragung der Kriegsschuld aufs härtestebedrückt und daher immer unzufriedener mit der Herrschaft desOrdens. Städte und Adel vereinigten sich 1440 zu Marienwerderzum preußischen Bunde und riefen den König Kasimir IV. vonPolen herbei, um ihre Freiheit zu schützen und das Land in Besitzzu nehmen. In dem darüber ausbrechenden 13jährigen Kriege,welcher das Land schrecklich verwüstete, unterlag der Orden voll-ständig, und sogar die Marienburg wurde von den unbezahlten(böhmischen) Söldnern den Polen übergeben. So mußte denn derHochmeister im zweiten Frieden von Thorn 1466 West-preußen (Kulmerland und Pomerellen) mit der Marienburg undErmeland an Polen abtreten und das übrige Ostpreußen vomKönige von Polen zu Lehn nehmen. Die Hauptstadt des Landeswurde fortan Königsberg.

c) Die letzte Zeit des Ordensstaates. Durch die unglück-lichen Kriege und den Verlust so bedeutender Landesteile war dieMacht des Ordens gebrochen; sein Bestreben, sich der polnischenLehnshoheit zu entziehen, war vergeblich. Um Hilfe aus demReiche zu erhalten, wählte man deutsche Fürstensöhne zu Hoch-meistern, so Herzog Friedrich von Sachsen und Markgraf Albrechtvon Brandenburg-Ansbach (1511—1568). Letzterer unternahmauch wirklich einen Versuch, sich selbständig zu machen, aber dieMacht des Ordens war zu gering, und Hilfe aus dem Reiche kamnicht. Da damals die Reformation wie in ganz Deutschland, soauch in Preußen viele Anhänger gewann und der Bestand desOrdensstaates dadurch gänzlich in Frage gestellt wurde, so entschloßsich der Hochmeister mit Zustimmung des Königs Sigismund vonPolen 1525 Preußen in ein weltliches Herzogtum zu ver-wandeln und dieses von der Krone Polen zu Lehn zu nehmen.Die Ordensritter wurden mit Gütern ausgestattet und traten inden weltlichen Stand; die wenigen, welche dem alten Glauben treublieben, siedelten nach Mergentheim (an der Tauber) über, woder Orden noch bis zu seiner gänzlichen Auflösung durch Napoleon I.(1809) fortbestand.

4 *