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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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indem beispielsweise die Prediger das Almosen auf Kostender anderen Bedingungen zu sehr in den Vordergrund tretenließen. Sicher hat Tetzel, der an der Spitze der Ablaßpre-diger in Deutschland stand, dieser Fehler sich nicht schuldiggemacht.

rrTT^startin Luther. Um diese Zeit lebte in DeutschlandMartin Luther. Martin Luther war als der Sohn einesBergmannes am 10. Nove mber 1483 zu Eisleben, einemkleinen Städtchen in Thüringen, geboren. Im achtzehntenJahre bezog er die Universität Erfurt, wo er nach dem

Willen seines Vaters die Rechtswissenschaft studieren sollte..

Da trafen ihn hart nacheinander meh-rere Unglücksfälle. Ein Freund wurdeim Zwciknmpfe vor seinen Augenerstochen. Er selbst verwundete sichmit seinem Degen am Beine, so daßer in Gefahr war, zu verbluten. Vorallem aber erschütterte ihn ein schweresGewitter; ein Blitz fuhr vor ihmnieder. Vor Schrecken rief er:Hilf,liebe Sankt Anna! und ich will einMönch werden." Im Jahre 1505trat er in das Augustinerkloster zuErfurt ein. Der Schritt war über-eilt; Luther war nicht zufrieden. Ernahm die strengsten Bußwerke aufsich und fand trotzdem keine Ruhe. So kam er nach undnach zu einer eigenen Anschauung über die Rechtfertigungdes Menschen. Er glaubte nämlich, die guten Werke nützennichts; nur der Glaube mache selig. Die Verkündigung desAblasses bot ihm daher die willkomnMc Gelegenheit, seineAnsichten auch öffentlich zu bekennen Md zu vertreten.

1517 3. Jer Beginn des Streites. Luther war Professor der

Theologie zu Wittenberg. Am Vorabend vor Allerheiligen1517 schlug er an der Schloßkirche zu Wittenberg 95 Thesenoder Glaubenssätze über den Ablaß und die Rechtfertigung an.

Es wurden Religionsgespräche gehalten. Auf seinerSeite standen Philipp Melanchthon und Karlstadt;ihnen gegenüber traten Kardinal Kajetan, Karl von Mil-titz und später Dr. Eck, Lehrer an der Hochschule zu Jngol-

Martin Luther.Nach Aldegrever.