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Solothurnern frei, entweder diese Snmiiic unmittelbar zu ent-richten, oder den neuen Glaube» abzuschaffen. Der SchultheißNikolaus Wengi, eines der Häupter der katholischen Partei,aber ein überaus billig denkender Mann, machte den Vor-schlag, den Reformierten die freie Ausübung ihres Kultus zugestatten, wofern sie die außerordentliche Steuer, welche dieserKrieg der Stadt zugezogen hatte, entrichteten. Allein dieserVcrmittlnngsantrag blieb in der Minderheit. Die Franzis-lancrkirchc, wo die Protestanten sich versammelten, wurde ihnengenommen, und ihr Kultus nach Zuchwil, eine Viertelstundeweit von der Stadt verlegt. Durch diesen Beschluß erbittert,machten die Protestanten eine Verschwörung. Mit dem Mitter-nachtsschlage des 30. Wcinmonats sollten die reformiertenBauern in die Stadt einziehen und die Tore besetzen, wäh-rend ihre Glaubensbrüdcr der Bürgerschaft sich des Zeug-hauses bemächtigten. Allein Wengi, von einem der Ver-schworncn gewarnt, ließ die Turmuhr zurückstellen und dieTore des Rathauses besetzen. Das Zeughaus, dessen sich dieProtestanten schon lange bemächtigt hatten, wurde ihnen wiederentrissen; sie wurden genötigt, sich in die Kleinstadt zurück-zuziehen, wo sie die Aarcbrückc abbrachen. Die Katholiken,welche zahlreicher waren und die obere Stadt in ihrer Ge-walt hatten, richteten ihre Kanonen gegen das jenseitige Uferund feuerten schon einen Schuß aus das Spital ab, wo dieHäupter der Protestanten Rat hielten. Da warf sich Wengivor die Mündung des andern Feldstücks und rief: „Bürger,wenn ihr Bruderblut vergießen wollt, so soll das meine zuerstfließen!" Die Leidenschaft legte sich, die Protestanten, welchesich zu schwach fühlten, um den Kampf zu bestehen, zogen sichnach Wicdlisbach im Gebiet von Bern zurück. Einige Tagenachher wurde durch Vermittler von Bern und den übrigenOrten der Friede wiederhergestellt. Die Regierung von Solo-lhurn begnadigte die Reformierten, mit Ausnahme von achten,und verwies achtzehn fremde Lutheraner des Landes.
In der Folge gelangte in Solothnru der alte GlaubeIvicdc^ zur Herrschaft. Nur im Bezirk Buchcggbcrg behauptetesich^untcr dem Einflüsse Berns die neue Lehre.
8. Kalvin. Dagegen erhielt die Reformation neuen Zu-zug im Westen der Schweiz. Hier wirkte Wilhelm Farel,ein Südfranzose, für ihre Ideen. Als der eigentliche Re-