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Nun eroberten die reformierten Graubündner auch dasVeltlin wieder. Weil aber dabei ein französisches Heer sieunterstützt hatte, beanspruchte dieses das Veltlin für sich.Endlich einigten sich die Parteien und nötigten unter derFührung des Georg Jen ätsch die Franzosen, Bünden wiederzu verlassen. Seine Freiheit und Unabhängigkeit wurde neuer-dings anerkannt und auch das Veltlin erhielt es zurück. Jenatschselbst wurde in Chur bei Gelegenheit eines Mahles ermordet.
Georg Jenatsch. Georg Jenatsch war das Kind, aber auch dasBild seiner Zeit. Geboren in Samaden als Sohn des dortigen Pfarrers,studierte er an den höheren Schulen in Zünch und an der UniversitätBasel selbst Theologie. Im Jahre 1618 übernahm er die Pfarrei Scharansim Domleschg, unweit Thusis. Doch litt es ihn nicht lange aus der Kanzelund am Krankenbette. Bald stürzte er sich kopfüber in die Politik.
Mit einigen anderen jungen protestantischen Geistlichen organisierteer einen Aufband gegen die beiden Bruder Rudolf und Pompejns Planta,die Führer der katholischen Partei. Der Aufruhr gelang. Ein evange-lisches Strafgericht wurde eingesetzt, das mit grausamer Schärfe seinesAmtes waltete. Die Planta jedoch entkamen.
Inzwischen hatte der Beltlinermord neue Aufregung gebracht. Manfürchtete, die Katholiken könnten mit Hilfe Österreichs aufs neue die Ober-hand gewinnen. Da beschlossen Jenatsch und seine Freunde den Tod desPompejns Planta. Dem Beschlusse lolgte die Tat auf dem Fuße.
„Am Abend des 24. Februar 1621 verließen die VerschworenenGrüsch, ein Trupp von 18 Mann, alle beritten und wohlbewaffnet, voranJenatsch und Blasius Alexander. Sie umkreisten Chur, das „spanischeNest", in weitem Bogen, wandten sich bei Eins auf dem hoch über demrechten Ufer des Hinterrheins hinführenden Pfade ins Domleschg hineinund erschienen in der Morgenfrühe des 25. Februar vor Rielberg. DerZufall wollte es, daß im nämlichen Augenblick ein Diener Plantasein Pferd rüstete und das Tor offen hielt. Nach kurzem Wortwechselschlugen die Ankömmlinge den Knecht nieder und stürmten ins Schloßhinauf. Durch den Lärm bereits geweckt, war Planta aus dem Bett ge-sprungen und eilte, nur mit einem Hemd bekleidet und einem Schwertebewehrt, von Gemach zu Gemach, um ein Versteck zu suchen. Aber vorden Axthieben der Gegner fiel krachend eine der zugesperrten Türen nachder andern, und bald standen sie ihrem Todfeind gegenüber. Sofortwarfen sich Jenatsch und seine Genossen auf den Mann, der vergeblichum sein Leben flehte: unter ihren Streichen brach er im nächsten Augen-blicke zusammen. Noch sein Leichnam wurde, trotz der Anwesenheitseiner Tochter Katharina Lnkrezia, verstümmelt; die Rasendenrissen ihm das Herz und die Eingeweide heraus, weil ein .jeder noch einZeichen an dem Verretter thun wellen'. Triumphierend verließen dieMörder Rietberg; die Sturmglocken heulten ringsum durch das Tal, dasich die Kunde von der Blutlat rasch verbreitete; aber keine Hand erhobsich gegen sie; gemächlich ritten sie durch Chur, und in der folgenden Nachtkamen sie mit .Gottes Hilf unverletzt' wieder nach Grüsch zurück."