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Neben dem Heerwesen lag dem Zar besonders die Hebungdes Handels und des Gewerbefleißes am Herzen. ZurErleichterung des inneren Verkehrs wurden Landstraßen undKanäle angelegt und durch die Verbindung der innern Schisf-sahrt mit dem Meere neue Handelswege eröffnet. Zur Ver-edlung der Schafzucht wurden Schäfer und Schafe aus Polenund Schlesien verschrieben. Zur Anlegung von Leinwand-Manufakturen, Lederfabriken, Papiermühlen, Glashütten unddergleichen wurden zahlreiche Ausländer ins Land gezogen.Ganz besonders nützlich erwiesen sich für die Hebung derGewerbctätigkeit in Rußland die durch das ganze Land zer-streuten, schwedischen Kriegsgefangenen vom Jahre 1709,denen nach dem Abschlüsse des Friedens von Nystadt vieleihrer Landsleute freiwillig nachfolgten. Eine ganz besondereSorgfalt verwendete Peter auf den Bergbau. Er ließ inSibirien und im Ural zahlreiche Bergwerke anlegen. Ererrichtete im Jahre 1718 eine eigene Bergschule.
Eine europäisch organisierte Polizei wachte über dieöffentliche Sicherheit und über das Treiben unzufriedenerRussen. Die Gerechtigkeit wurde streng und ohne Ansehender Person gehandhabt. Die höchsten Staatsbeamten mußtenbegangene Ungerechtigkeit durch Verbannung nach Sibirienbüßen. Besonders suchte Peter mit großem Ernste, das Volkvor Bedrückungen und Willkür von feiten der Beamten undEdelleute zu schützen.
Für die Hebung der Volksbildung sorgte Peter durchdie Anlegung von Schulen, für welche er Lesebücher undKatechismen ausarbeiten ließ. Sowohl die Edelleute, wie dieBeamten waren gehalten, ihre Söhne vom 10. bis 15. Jahrein diese Schulen zu schicken. Für die weitere Fortbildungder Söhne des Adels wurden besondere Kriegsschulen errichtet.Zur allgemeinen Verbreitung der Bildung ließ Peter Drucke-reien anlegen und fremde Schriftwerke ins Russische übersetzen.Zu dem Zwecke sandte er talentvolle, junge Russen insAusland.
Auch das gesellschaftliche Leben der Russen suchtePeter zu reformieren. Um sie an die Höflichkeitsformen unddie geselligen Vergnügungen des zivilisierten Europas zu ge-wöhnen, hielt er die Wohlhabenden dazu an, zu gewissenZeiten Abendgesellschaften zu geben, wobei sie geladene, wie