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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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rr über alles bis in die kleinsten Einzelheiten die genauestenErkundigungen ein.

Mitten im Frieden aber versäumte Friedrich auch nicht,den gesunkenen Kricgsstand neu zu kräftigen. Den Kerndes Heeres hatte der Krieg hinwcggcrafft: die meisten Re-gimenter bestanden fast nur noch aus Überläufern, Auslän-dern und ganz jungen Landcskindern. Bon den letzterenwurden viele in die Heimat entlassen, um ihre Kräfte demLandbau zu widmen. An ihre Stelle traten dienstlosc Aus-länder. So entstand ein ganz neues Heer, das erst wiedereingeübt werden mußte. Dieses aber geschah mit einem Eifer,als gelte es einen abermaligen Krieg. Für die Offiziereschrieb Friedrich selbst, gestützt auf die im Kriege gemachtenErfahrungen, eine Militär-Instruktion.

Die Mittel zu all den großen Ausgaben fand der Königzum großen Teile in seiner eigenen Sparsamkeit. SeinAufwand beschränkte sich seit dem Hubcrtsburger Friedenauf das geringste Maß. Namentlich erhöhte Friedrich dieindirekten Steuern; auch führte er eine Reihe von Mono-polen ein, wie z. B- das Tabaksmonopol, das Kaffee-,Zucker-, Salzmonopol u. s. w.

So hinterließ Friedrich II., als er starb, trotz allerKriege ein Reich von 6 Millionen Einwohnern, während esbeim Tode seines Baters nicht einmal N/? Millionen zählte,ebenso ein Heer von 200,000 gegenüber 16,000 Mann undendlich einen Staatsschatz von 72 gegenüber von? Milli-onen Taler.

Tiber die Person Friedrichs erzählen die Geschichtsschreiber:Fried-rich II. war nur von mittelmäßiger Größe, aber wohlgebildetem Körper.Sein Kopf hing ein wenig nach der rechten Seite hin. Sein Gesicht warweder mager noch voll, die Nase lang, aber gut gebildet. Aus seinenAugen strahlte die Lebhaftigkeit und das Feuer seines Geistes. Sie kün-digten seine Gemütsbewegungen und Leidenschaften deutlich an und drück-ten vorzüglich den heftigen Zorn auf eine schreckbare Weise aus. Seinganzes Gesicht zeigte Strenge und Ernst und flößte Ehrerbietung undAchtung ein. Sein Gang war etwas nachlässig, aber schnell und stolz.Zu Pserde saß er in jüngeren Jahren gut, im Alter gekrümmt und sorg-los, ausgenommen im Galopp, den, er gern ritt und lange aushielt. SeineStimme war im Gespräch der reinste und angenehmste Tenor, beim Kom-mando aber so laut, daß man sie selbst in der Ferne sehr deutlich hörenkonnte. Seine braunrote Gesichtsfarbe kündigte den Soldaten an, daß erder heißen und kalten Witterung gewohnt war und jeder Mühseligkeitdes KriegslebenS trotzte.