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In der ersten Hälfte seines Lebens schlief er wenig; in der letztenbestimmte er gewöhnlich sieben Stunden zum Schlaf. Dagegen schätzte erdie Bergügungen bei der Tafel. Er bestellte gewöhnlich acht Schüsseln,die lecker und ausgesucht sein mußten. Immerhin war er auch mit derschlechtesten Nahrung zufrieden, wenn es die Umstände erforderten. Eraß Kommißbrot mit den Soldaten, wenn die Not da war, und beklagtesich mit keiner Miene, mit keinem Worte darüber.
Dem Tabatranchen war er so abgeneigt, daß er es auch von anderenin seiner Gegenwart nicht duldete; desto mehr hatte er sich den Schnupf-tabak zum Bedürfnis gemacht. Zwei damit angefüllte Dosen trug erbeständig bei sich, fünf bis sechs andere standen auf den Tischen umher;über hundert derselben wurden zur Abwechslung in Kasten aufbewahrt.
Fern von jedem äußern Prunk, trug sich wohl nie ein König ein-facher in der Kleidung, als Friedrich. Meistens trug er die einfacheOffizierSunisorm seiner Garde, die sich nur durch den fürstlichen Sternunterschied. Nur bei großen Festlichkeiten kleidete er sich in die reicheMontnr dieses Regiments.
Musterhaft war der Geist der Ordnung, welcher selbst in den klein-sten Beschäftigungen herrschte. Fast jede Stunde hatte ihre Bestimmung.„Nichts aufschieben," war sein Grundsatz, von dem ihn weder Müdigkeit,noch übles Wetter, noch eine Lieblingsneigung abzubringen vermochten.Sobald er des Morgens aufgestanden war, öffnete er die in der Nachteingegangenen Briefe und Bittschriften. Die interessanteren davon lasund beantwortete er selbst; von den übrigen ließ er sich Auszüge machenund gab dann die Wegleitnng für die Antwort.
Er selbst verfaßte auch wissenschaftliche Werke. Doch schrieb undsprach er fast nur Französisch. Das Deutsche verachtete er. Nur wennes nötig war, oder die Anwesenden das Französische nicht verstanden,sprach er auch Deutsch.
10. Werreilh unter Maria Theresia und Joseph n.
1. Maria Mensta (1740—80) war, wie wir gehört 174 «haben, durch die Pragmatische Sanktion auf den habsbnrgi-schcn Thron gekommen, da Karl VI. ohne männliche Nach-kommen gestorben war. Sie machte übrigens den Habs-bnrgern alle Ehre, denn sie war eine durchaus tüchtigeNcgcntin.
Bon Anfang an in einen Erbfolgckrieg verwickeltund rings von Feinden umgeben, hat sie zwar nicht allebesiegt, doch hat sie wenigstens die Hauptsache gerettet undist auch gegenüber Friedrich II. ehrenvoll unterlegen. „Sieehrte den Thron und ihr Geschlecht"; sagte dieser selbst vonihr, „ich habe sie bekriegt; aber ich bin niemals ihr Feind gewesen."
Im Innern des Reiches sorgte sie gleich ihremgroßen Zeitgenossen Friedrich für Ackerbau, Handel und Ge-