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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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immer den zweiten Schritt vor dem ersten," sagte Friedrich II. von ihm.Seine ersten Anordnungen waren gegen die Freiheit der Kirche gerichtet.Französische Bildung und französischer Unglaube machten sich bald geltend amHofe. Mehr als 700 Klöster wurden von Joseph II. aufgehoben. Da-für pries man ihn alsgekrönten Menschenfreund". Die Bevormundungder Kirche erstreckte sich bis ins kleinste, ja bis auf die Zahl der Kerzen,die auf dem Altare brennen sollten. Nicht mit Unrecht nannte ihn daherFriedrich II. auch nur seinen Bruder Sakristan.

Joseph II. starb am 20. Februar 1790, also kurz uachdem Ausbruche der verhängnisvollen französischen Revolution.

11. Die Heilung Wolens.

(1772-1795.)

Einen Schandfleck in der Geschichte und speziell in derRegierung Friedrichs II. sowohl als der Maria Theresia ^bildet die Teilung Polens.

1- Aas polnische Acich. Polen umfaßte damals 13,000Onadratmcilcn und reichte von der Ostsee bis zum >L-chwarzcnMeere. Leider hatte es eine unglückliche Verfassung. AlleGewalt lag nämlich in den Händen des Adels, der auch denKönig wählte. Zudem hatten nur einstimmige Beschlüssedes Reichstages Geltung, indem jeder der Abgeordneten dassogenannte Veto- oder Einsprachsrccht gegen dieselben besaß.

So gewannen die Nachbarvölker immer größeren Ein-fluß auf das Land und insbesondere auf die Thronbcsctznng.Zuerst besaß diesen Einfluß Sachsen, dann Schweden unterKarl XII., und endlich Rußland, besonders unter Katha-rina II.

2. Aie erste Teilung. Da eroberte Rußland in einem lKriege gegen die Türken die Moldau und Walachei.Österreich und Preußen fürchteten dessen Übermacht. Kaiha-kharina II. aber erklärte sich bereit, beide Länder wieder andie Türken zurückzugeben, wenn jene zur Teilung Polensstimmten.

Friedrich und Maria Theresia erklärten sich damit ein-verstanden. So kam es ohne jeden weiteren Ncchtsgrnndeinfach aus politischen Rücksichten znr ersten Teilung Po-lens 1772.

Rnßlnnh erhielt die östlichen Provinzen zwischen Dnieprund Donau, Österreich Galizicn und Preußen das jetzigeWcstprcnßcn.