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Joseph II. hob die Leibeigenschaft auf und führte dieVerkehrs- und Gcwerbcfrcihcit ein, d. h. jeder durfte,sich niederlassen und ein Gewerbe treiben, wo er wollte.Auch die Todesstrafe wurde abgeschafft.
Dagegen sollten alle die verschiedenen Staaten, ausdenen sein Reich bestund, in einen Staat verschmolzen werden,in dem nur eine Sprache, nämlich die deutsche) und einGesetz herrschen sollte.
Solche und ähnliche Reformen zogen ihm zahllose Feindezu. So starb er, indem er verlangte, daß man anf seinGrab schreibe: „Hier ruht ein Fürst, dessen Absichten reinwaren, der aber das Unglück hatte, alle seine Entwürfescheiter n zu sehen."
"" Joseph II., geboren am 13. Mär; 1741, war Maria Theresias äl-tester Sohn. In der Jagend zeichnete er sich vor seinen Brndern durchgroßen Eiter im Lernen eben nicht aus, wohl aber bekam er durch den Unter-richt in Geschichte und Philosophie eine Denknngsart, die ganz fremd war.Mit 24 Jahren wurde er von der Mutter nach dem Tode ihre« GemahlsFranz I. zum Mitregenten angenommen. Doch ging er lieber anf Reisen.Er besuchte Frankreich, Spanien, die Schweiz, Rußland, Italien und Hol-land. Dabei reiste er immer inkognito, d. h. nicht als König, sondernunter dem Namen eines Grafen von Falkcnstein. Gewöhnlich kam ervor seinem Gefolge an und ergötzte sich dann an der Reagier der Wirte. Ineinem französischen Städtchen barbierte er sich selbst im Posthanse. Da fragteihn die Frau Postmeisterin, ob er etwa auch zu dein Gefolge des Kaisers ge-höre, den man stündlich erwarte. Jo-seph II. gab znr Antwort, er barbiereden Kaiser. In Holland erkannte manihn und rechnete ihm daher auch ein-mal ein Gericht Eier sehr teuer an.Der Kaiser bemerkte, daß hier dieEier wohl sehr selten sein müssen,da sie so teuer seien. „Nein," wardie Antwort, „die Eier sind nichtselten bei uns, aber die Kaiser." InMähren ergriff er den Pflug, denein Bauer gerade führte, und ackerteein gutes Stück Land, um nach Artdes Kaiser von China den Ackerbauzu ehren.
Als jedoch der Tod seiner Mutterihn auf den Thron führte, säumteer keinen Augenblick, seine Pläne aufÄnderungen durchzuführen. Mitüberstürzender Hast folgte jetzt eineVerordnung auf die andere. „Er tut
Kaiser Joseph II.^ Lhot. I. Löwy.
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