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schwache Besatzung verteidigte sie. Diese wurde niederge-macht, die Festung niedergerissen und die Gefangenen wurdenfreigelassen. Es war am 14. Juli 1789. — Dem Beispieleder Hauptstadt folgten die Provinzen. Schlösser und Klösterwurdermnerbrannt; Edelleute und Priester wurden zu Todegemartert. /
/4. Aie Wenschenrechle. Unterdessen erklärte die Natio-nalversammlung die sogenannten Menschenrcchte, dahingehend:1. Alle Menschen sind frei und gleich; 2. jeder Unterdrücktehat das Recht, sich zu empören; 3. das Volk ist souverän,d. h. sein eigener und höchster Herr und Meister.
5. Die neue Verfassung. Zugleich wurden die Grund-züge zu einer neuen Verfassung entworfen. Darnach sollteFrankreich inskünftig eine konstitutionelle Monarchiebilden, d. h. an der Spitze sollte zwar nach wie vor derKönig stehen; aber er sollte doch nicht mehr in allem freiund unabhängig regieren können, sondern ihm zur Seite soll-ten vom Volk gewählte Räte oder „Kammern" sein, denenbevorzugte Rechte in Bezug auf die Gesetzgebung und dieVerwaltung des Landes zukommen würden. Dem Königwurde nur noch ein gewisses Vetorecht eingeräumt, d. h.er konnte Beschlüssen der Abgeordneten vorläufig seine Ein-willigung versagen; bestanden sie aber auf ihrem Willen, soerlangten diese nach vier Jahren dennoch Gesetzeskraft. Die'Klöster wurden aufgehoben; das Kirchengut wurde als Staats-eigentum erklärt. Statt in Provinzen wurde Frankreich inDepartemente eingeteilt. Ebenso wurde das Gerichtswesenumgeändert, die Leibeigenschaft abgeschafft und der Fron-dienst beseitigt. Die ewigen Grundlasten, Zehnten nnd Ab-gaben wurden als ablösbar erklärt. Der Zunftzwang hörteauf und Handels- und Gcwerbcfreihcit trat an seine Stelle.
6. Ion Tersaill'es nach Mus. Jetzt zog ein wilderPöbelhaufen, darunter eine Schar Marktweiber (die „Damender Halle") doch nach Versailles, um die Rückkehr des Königsmit der Nationalversammlung nach Paris mit Gewalt durch-zusetzen. Von da au war der König fast ganz in der Machtdes Pöbels. Auch die Nationalversammlung konnte nicht mehrfrei und ungestört ihres Amtes walten.
Es war in der Frühe des 5. Oktober. Gegen 14,000 Personen,größtenteils Weiber, oder Männer als Weiber verkleidet, verließen ParisWelt- und Schweizergeschichle II. 10