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plätschernder Bergbach bildet davor einen Teich. In einer Grotte liegtder gewaltige, 8 Meter lange und 5 Meter hohe in die natürliche hoheSandsteinwand eingemeißelte Löwe. Bon einer Lanze durchbohrt, beschützter noch sterbend mit seiner mächtigen Klaue einen Schild mit den LilienFrankreichs. Die oben in den Stein gravierte Inschrift lautet: „Oslvs-tiorurn ücksi so virtnti", d. i. „Der Treue und Tapferkeit der Schweizer."(Bergl. „Der Löwe von Luzern" von Leo Fischer.)
12. Der Aationalkonvent (1792—1795). Endlich 1782wurde zur Leitung der öffentlichen Angelegenheiten wiedereine neue Versammlung, der Nationalkonvent, gewählt. Dabeiwurden durch die sogenannten Septembermordc alle Freundedes Königtums niedergemacht, in Paris allein gegen 1500,in mmz Frankreich wohl 20000 Menschen.
/ 13. Aie Kinrichjung des Königs. Folgerichtig lautete 1788Mr erste Beschluß des neuen Parlamentes: „Das König-tum ist abgeschafft und Frankreich eine Republik."
Dem König wurde der Prozeß gemacht. Er wurde beschuldigtdes Verrates an der Freiheit der Nation, zum Tode verur-teilt und am 21. Januar 1793 hingerichtet.
Ludwig zeigte bei der Verkündigung des Urteils volle Ruhe undFestigkeit, da er schon längst auf Mörderhäude gefaßt gewesen. Erst alsder Überbringer des Urteils die Hoffnung ausiprach, daß dasselbe nichtzur Vollziehung gelangen werde, weil er beim Herausgehen aus der Ver-sammlung von einer Menge Personen die Beteuerung gehört habe, daßsie den König mit Preisgebung ihres Lebens den Henkern entreißen wür-den, wurde er unruhig und bat ihn dringend, ein solches Beginnen zuverhindern. „Ich würde es Ihnen nicht vergeben," sprach er, „wenn ummeinetwillen ein Tropfen Blutes vergossen würde. Ich habe das nichtgewollt, als es mir vielleicht Thron und Leben gerettet hätte, und ichbereue es nicht."
Ani Morgen des 21. Januar stand Ludwig um 5 Uhr auf undempfing die hl. Kommunion. Man hörte das Geräusch der Truppen,durch welche die Hinrichtung gedeckt werden sollte; aber erst um 9 Uhrkam Santerre, von Munizipalen und Gendarmen begleitet, um das Schlacht-opser abzuholen. Ludwig bestieg im zweiten Hofe eine Lohnkutsche, inwelche sich ein Geistlicher und zwei Polizeidiener zu ihm setzten. Lang-sam fuhr er durch die mit Truppen und Geschützen bedeckten Straßen.Seine Miene war ernst, aber nicht niedergeschlagen, er hatte sich völligin sein Schicksal ergeben. Das Blutgerüst war auf dem Revolutions-platze, den Tuilerien gegenüber, am Fußgestell der zertrümmerten Bild-säule Ludwigs XV. aufgerichtet. Als der Wagen stille hielt, sagte Lud-wig gleichmütig: „Da sind wir," doch schien er erschüttert, als ihn derHenker und dessen Gehilfen schon an der Treppe des Gelüstes empfingenund ihn des Rockes entkleideten. Da rief ihm der Geistliche zu: „Sohndes hl. Ludwig, steige gen Himmel!" worauf er festen Schrittes die Stufenhinaufstieg. Von dem Schafotte aus betrachtete er daö dichtgedrängte Volk z