dann warf er einen Blick nach den Tuilerien hinüber. Der Platz warvon einer unabsehbaren Menge von Zuschauern und Nationalgarden be-setzt; in einiger Entfernung standen mehrere mit Kartätschen geladene,gegen das Schafott gerichtete Kanonen. Als ihn die Henker ergriffen, umihm das Sünderkleid anzulegen, die Haare abzuschneiden und die Händeaus den Rücken zu binden, wollte er dies, besonders das letztere, nichtgeschehen lassen, fügte sich jedoch auf die Erinnerung des Priesters, daßer durch solches Binden dem Heilande ähnlicher werde. In dieser Gestalttrat er an den Rand des GerüsteS gegen das Schloß zu und winkte derKriegsmnsik Schweigen. Unwillkürlich verstummte sie, den erhaltenen Be-fehlen zuwider, und nun sprach er so laut, daß es im Garten der Tuileriengehört ward: „Franzosen, ich sterbe unschuldig. Ich vergebe meinen Fein-den. Ich wünsche, daß auch Gott ihnen vergeben und daß mein Toddas Wohl Frankreichs befördern möge!" Die letzten Worte wurden vomGetöne aller Trommeln verschlungen, die auf Santerres Gebrüll zuwirbeln begannen. Wenige Minuten darauf fiel sein Haupt unter demFallbeil: es wurde von einem der Henkersknechte unter Lnftsprüngen umdas Gerüst herumgetragen, während von allen Seiten das Geschrei: „Eslebe die Nation, es lebe die Freiheit!" ertönte. Hüte und Mützen flogenin die Höhe, mehrere Personen tauchten ihre Tücher in das Blut. Aufden Gesichtern der Zuschauer bemerkte man weder Mitleid noch irgendwelches Gefühl des begangenen Verbrechens. Die meisten zeigten einegrimmige Freude, die übrigen eine stumpfsinnige Nengier. Gleich nachder Hinrichtung nmtanzte der Pöbel das Blutgerüst. Niemand wagte es,auch nur eine Träne zu vergießen. Am Abend waren die Schauspiel-häuser gedrängt voll, und drei Tage nachher sprach man in Paris nichtmehr von der furchtbaren Tat.
Ludwig XVI., IN. KiitoliieNe und der Dauphin.
14. Die königlicheAamilie. Dem Königfvlgtc die Königin, Ma-ria Antoinette, eine öster-reichische Prinzessin. Derzehnjährige Dauphin,von den europäischenHöfen als Ludwig XVII.anerkannt, wurde einemelenden Schuster, namensSimon, einem rohen undherzlosen Menschen, zurErziehung übergeben.So siechte das schöne,reichbegabte Kind dahin,bis 1795 der Tod auchseinem jammervollenDasein ein Ende machte.