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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Weder Altäre mich Gräber blieben verschont; ganze Frachtwagen, mitKlrchenschmnck, Kirchengeräten und Glocken beladen, kamen in Paris an,und täglich wurde der Konvent in seiner Gesetzmacherei durch Huldi-gungen ruchloser Banden unterbrochen, die mit ihrer, den Kirchen ge-raubten Beute vor seine Schranken traten und, in gottesdieustliche Ge-wänder vermummt, feierliche Anreden mit possenhaften Tänzen verbanden.Ein besonderes Dekret befahl die Zerstörung der Königsgräber in St. Denis,und mit tierischer Wut wurden die Ruhestätten der Toten durchwühltund ihre Gebeine zerstreut. Die geringste Kundgebung eines religiösenGefühles galt als todcswürdiges Verbrechen. Eine sechsjährige Personwurde nur darum hingerichtet, weil man sie hatte beten sehen.

Auch ein neuer Kalender wurde eingeführt, um mit der Vergangen-heit vollends zu brechen. Derselbe lehnte sich an den 22. Seplember1792, als den ersten Tag der französischen Republik. Das Jahr warin zwölf Monate von dreißig Tagen eingeteilt. Die Namen der Heiligenwurden ausgemerzt. An ihre Stelle traten die Namen von Tieren,Pflanzen und Werkzeugen, oder solche, die sich auf die Beschaffenheit derWitterung und der wichtigsten Naturerscheinungen des Jahres bezogen.So hießen z. B. die Frühliugsmouate Keim-, Blumen- und Wwien-mouat; die erste Woche des Weinmonats hatte folgende Tage: 1. Traube,2. Safran, 3. Kastanie, 4. Zeitlose, 5. Pferd, 6. Balsamme, 7. Mohre,8. Tausendschön, 9. Pastinake, 10. Bütte. Die fünf Ergänzungstagedes Jahres wurden an das Ende geworfen und waren Festtage: der 1.das Fest der Tugenden, der 2. des Genies, der 3. der Arbeit, der 4. deröffentlichen Meinung, der 5. der Belohnungen. Das Schaltjahr hießFranziede und der 6. Tag in demselben der Revolutionstag.

nss 2- Die Aircktorialregierung. (17951799si Zumglücke für Land und Volk gerieten endlich die Schreckeus-münner wieder unter sich selbst in Streit, bis auch sie, einjeder dem Beile des andern, zum Opfer fielen. Die ge-mäßigte Partei gewann wieder die Oberhand. Eine neueRegierung die vierte seit dem Beginne der Revolution, die Dircktorialrcgicrung ergriff das Steuerruder.

Die oberste Gewalt ruhte in den Händen von fünfMännern, die das Direktorium bildeten. Ihnen zur Seitestanden zwei Kammern: der Rat der Alten und der Rat derFünfhundert. /

3- Die ersten Kämpfe nach allsten. Aufgabe des Di-rektoriums war es nun vor allem, sich der zahlreichen Feindezu erwehren, die der jungen Republik seit der Ermordungdes Königs auf allen Seiten erwachsen waren. Einen Teilderselben hatte sich in den Jahren 17931795 schon derNationalkonvent vom Halse geschafft. So eroberte Frankreichunter ihm Savoyen und fast das ganze linke Rhein-gebiet von Basel bis Holland Im Jahre 1795 zogen