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/ 6. Frankreich eine Uepuklik.
/ (1793-1804.)
/I. Die Schrechenszeit. Der Übermut der Bergparteikannte nun keine Grenzen mehr. Am 3. Juni drang einneues Proletarierbntaillon vor die Tnilcrien und verlangte,daß die gemäßigten Girondisten entlassen werden. Daraufübte die Umsturzpartci ein Jahr hindurch eine Herrschaft inFrankreich, wie sie bisher der Erdkreis wohl noch nie gesehenhatte. Mit Recht hat sie daher auch den Namen „Schreckens-zeit" in der Geschichte erhalten.
Ein Wohlfahrtsausschuß von nenn Mitgliedern als Re-gierung, ein Sichcrheitsausschuß als oberste Polizeibehördeund ein Revolntionsgericht wurden gebildet; dann ging dasMorden an.
Alle Freunde und Glieder des Königlichen Hauses starben auf demSchafotte. Kinder, Männer, Greise, Weiber wurden erbarmungslos hin-geschlachtet. Eine kleine Unvorsichtigkeit, das geringste Zeichen der Königs-freundlichkeit führte den Tod herbei.
In Lyon z. B. fielen täglich wenigstens vierzig bis fünfsig Kopseunter dem Mordbeile. Es wurden Gruben gemacht, um das Bint auf-zunehmen; dennoch überschwemmte es die Richkplatze. Der Pöbel, derzum Freudengeschrei bei diesen Hinrichtungen erkauft war, ermüdete; dieHenker ermüdeten; nur die Richter ermüdeten nicht; sie fürchteten nür,zu viele Zeit zu verlieren. Bald wurden daher die täglichen Schlachtopferzu Hunderten, zwei und zwei zusammengebunden, durch Kartätschenschüssezu Boden gestreckt und mit Bajonetten und Säbelhieben vollends nieder-gehauen. Keine Art des Frevels und der Verruchkheit unterblieb.
Die Bendee und Bretagne durchzogen zwölf Kolonnen der Nevo-lutionsarmee nach allen Richtungen und verheerten sie mit Feuer undSchwert. Kein Alter, kein Geschlecht wurde verschont; Kinder warf manin die Flammen, welche die Wohnungen ihrer Eltern verzehrten. Tau-sende von Gefangenen wurden durch diese bewaffneten Henker nach Nantesgeschleppt, wo sie haufenweise niedergeschossen wurden. Neunzig Priesterwurden aus Barken gebracht, deren Böden sich auf dem Wasser öffneten,um die ahnungslosen Opfer in die Fluten zu versenken. Ja, man hatberechnet, daß über diese Zeit etwa 150,000 Franzosen als Flüchtlingeim Auslande weilten, daß etwa 400,000 in den Kerkern schmachteten undwohl eine Million guillotiniert, erschossen oder ertränkt wurden.
Ebenso wurde die christliche Religion abgeschafft und eine Religionder Vernunft eingeführt. An Stelle der christlichen Feiertage traten dieFeste der Repnblik, wie z. B. der Erinnerungskag an die Erstürmungder Bastille, au die Errichtung .der Republik, an die Hinrichtung desKönigs. Als Sonntag galt jeder zehnte Tag. Alles der Kirche gehörendeEigentum wurde für Nationalgnt erklärt. Die bereits früher begonnenePlünderung der Kirchen wurde nun im großartigsten Maßstabe fortgesetzt.