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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Wcsen zu gelangen. Aber wie-der standen die Franzosen imWege. So mußte er den Nestseines Heeres über den Pa-nixerpaß nach Graubündcnführen und von dort nachDeutschland retten.

Auf die russischen Truppen,"ermähn ein Geschichlsschrciber,dieplötzlich aus den gesegneleu RegionenItaliens in die engen Felsschluchtender Alpen eintraten, um sich denSchnee- und Eisregionen des Gott-liard zu nähern, machte dieser rascheÜbergang aus der heitersten Frucht-barkeit in eine wilde, düstere Naturvon riesenhafter Ausdehnung denEindruck, den das Gewaltige undUngeheure unwillkürlich erweckt. Siefühlten sich beengt, beunruhigt und schwankten znm ersten Male in ihrem Ver-trauen ant den sieggewohnten Feldherrn. Es kam zu Ausbrüchen des Ungehor-sams, die zu dämpfen es der ganzen Geistesgegenwart Snworows undseiner Kunst, die Menschen zu behandeln, bedurfte. Er ließ sich ein Grabfür sich graben, angesichts der Soldaten, um, wie er sagte, die Schmacheines zuchtlosen Heeres nicht zu überleben; es gelang ihm auch, die Trup-pen znm alten Vertrauen zurückzuführen. Am Morgen des 25. Sep-tember war Snworow an dem Urnerloch angelangt; seine Soldatendrängten vor, Hunderte fanden an dem geöffneten Abgrunde der Teusels-brücke ihren Tod und es schien nicht denkbar, selbst gegen die viel schwä-chere Zahl der Franzosen den Durchgang zu erzwingen, als die Russenden kühnen Entschluß faßten, mitten im Feuer des Feindes einzeln densteilen Rand der Reuß hinabznklettern, durch den wildschcinmenden Flußzu waten und, indem sie am andern User mühsam hinaufstiegen, dieFranzosen zu umgehen. So ward die Brücke gewonnen, der Übergangüber den gesprengten Bogen mit Brettern und Baumslämmen hergestellt.Am 26. Scpt. langte Snworow zu Altdorf an, wo die Gotthardstraßein die Wellen des Bicrwaldstättersces mündet und kein Fahrzeug bereitlag, ihn nach dem andern Ufer zu bringen. Eine unwegsame Gebirgs-masse trat ihm entgegen und streckte ihren nackten Felscnarm in das fin-stere Schächental hinaus, wie ein riesiger Wegweiser des Schicksals. Nurauf den Hirten- und Jägcrpsaden dieser engen Talschlucht und der Berg-übergänge im Hintergründe war es möglich, - zu wirtlichen Gegenden zugelangen, und selbst dies war zweifelhaft, wenn der Ausgang des Kampfes,der in denselben Stunden am Zttrichsee gefochten ward, den Feind inden Besitz dieser Alpenpässe brachte. Und in welchem Zustande wardas Heer! Seit sechs Tagen zog es bergauf, bergab, mußte sich umFußpfade und Brückenstege schlagen, die Renß durchwaten, steile Anhängehinanklimmen, mit kümmerlicher Nahrung, während strömende Regen-