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Lehrbuch der Zoologie für höhere Lehranstalten und die Hand des Lehrers : unter besonderer Berücksichtigung biologischer Verhältnisse / bearb. von Otto Schmeil
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Seehund. Walroß.

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a) der scharfen Sinne gewahrt er den Feind schon von weitem undsucht dann sofort das schützende Meer zu erreichen. Noch besser als Gesichtund Gehör (s. oben) dürfte der Geruch sein; denn die Nasenhöhlen des Tieressind auffallend groß. (Vgl. mit Hund.)

b) Auch die Farbe des Felles bietet ihm, wenn er am Strande ruht,e migen Schutz; denn das Haarkleid ist auf der Bückenseite gelbgrau, mitbraunen oder schwarzen Flecken übersiit, hat also mehr oder weniger Ähnlich-keit mit der Farbe des Bodens, auf dem das Tier liegt.

D. Bedeutung der Seehunde für den Menschen.

I)a der Seehund eine ungeheure Menge von Nutzfischen verzehrt, ist ersicher das schädlichste Tier unserer Küsten, dem daher die Fischer unablässiguachstellen. Sein Fell und Fett, aus dem man Tran siedet, wiegen den Schadenuicht auf. Für den Grönländer dagegen ist er sowohl, wie seine nächsten Ver-wandten besonders der etwas kleinere grönländische Seehund (Pli.Srcenl&ndica), den man nach einer dunklen, sattelförmigen Zeichnung, mit welcher'der Bücken alter Männchen geziert ist, auch Sattelrobbe nennt ein un-gemein nützliches Geschöpf; ja noch mehr: die Bewohnbarkeit der Küsten Grön-lands beruht fast allein auf der Anwesenheit dieser Tiere in den eisigen Ge-wässern, die das unwirtliche Land bespülen. Auf leichtem, einsitzigem Boote(Kajak) rudert der wetterharte Grönländer hinaus auf das Meer, zwischen Eis-schollen und Eisbergen hindurch und sucht so geräuschlos wie möglich dem See-kunde nahe zu kommen oder ihn beim Aufsteigen an die Wasseroberfläche zu über-raschen. Aus nächster Nähe wirft er dem Tiere die Harpune (vgl. hierzu die Ab-bildung vom Walroß!) in den Leib, die mit Widerhaken versehen und an einemlangen, aufgerollten Seile befestigt ist. In rasender Schnelligkeit stürzt sich dasgetroffene Tier in die Tiefe. Eine Schwimmblase zeigt dem Jäger an, wo sich seinflüchtiges Wild befindet, dem er endlich mit einer Lanze den Todesstoß gibt.Jeder Teil des Tieres findet Verwendung: aus dem Felle bereitet man Kleider;das Fleisch wird verzehrt; der Tran wird getrunken oder zum Beleuchten derelenden Hütte verwendet; die Gedärme werden als Fensterscheiben benutzt; zu-sammengenäht liefern sie ein wasserdichtes, wertvolles Obergewand, zusammenge-dreht Seile und Zwirn; das Blut bildet mit Seewasser vermischt eine nahrhafteSuppe; aus den Knochen verfertigt man allerlei Geräte, und die Knöchlein dienenden Kindern als Spielzeug.

Andere Robben.

Von den zahlreichen Verwandten sei nur das Walroß (Tricheclius ros-rrürus) kurz betrachtet, das die Meere um den Nordpol bewohnt. Dasuiächtige Tier erreicht eine Länge von 56 m und ein Gewicht von 1500 kg.Ua seine Gliedmaßen länger als die des Seehundes sind, und die hinterenuach der Bauchseite umgebogen werden können, bewegt es sich gehend,Wenn auch unbeholfen ganz nach Art der Landtiere. Seine Nahrung be-steht vorwiegend aus Muscheln, die es mit den gewaltigen, weit aus dem Maulera genden Stoßzähnen (d. s. die oberen Eckzähne) von den Felsen losreißt,