Vaterländische Gedichte
Drusus' Tod.
(Im Jahre 9 vor Chr.)
1. Drusus ließ in Deutschlands ForstenGold'ne Römeradler horsten,
An den heil'gen GöttereichenKlang die Axt mit srevlen Streichen.
2. Siegend fuhr er durch die Lande,
Stand schon an der Weser Strande,Wollt' hinüber jetzt verwegen,
Als ein Weib ihm trat entgegen.
3. Übermenschlich von Gebärde,
Drohte sie dem Sohn der Erde:„Kühner, den der Ehrgeiz blendet,Schnell zur Flucht den Fuß gewendet!
4. Jene Marken unsrer Gauen
Sind dir nicht vergönnt zu schauen,Stehst am Markstein deines Lebens;Deine Siege sind vergebens.
5. Säumt der Deutsche gerne lange,Nimmer beugt er sich dem Zwange!Schlummernd mag er wohl sich strecken;Schläft er, wird ein Gott ihn wecken."
6. Drusus, da sie so gesprochen,
Eilends ist er aufgebrochen,
Aus den Schauern deutscher HaineFührt er schnell das Heer zuni Rheine.
7. Vor den Augen sieht er's flirren,Deutsche Waffen hört er klirren,
Sausen hört er die Geschosse,
Stürzt zu Boden mit dem Rosse.