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Geschichts-Tafeln für Mittelschulen, gehobene Bürgerschulen, Töchterschulen und Präparanden-Anstalten / von Erich Neidel
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Eine alte Geschichte.

1. Einst saß in Sommertagen ein deutscher König am Rhein,

Er labte sich im Bade und trank den kühlen Wein;

Hat siegreich jüngst geschlagen im Osten blutigen Strauß,

Nun ruht er mit Behagen zu neuen Kämpsen aus.

2. Doch drüben auf Frankreichs Throne kocht Einer alten Groll,Der aller Listen Meister und aller Ränke voll.

Sein Thron will aus den Fugen, den leimt er gern mit Blut;Auch däuchte seinen Augen das Land am Rheine gut.

3. Und als er heimlich gerüstet, da griff er rasch zur Wehr,

Ergoß durch Lotharingen sein wildes, Ivüstes Heer.

Der Deutsche will's nicht glauben, er glaubt an Ehr' und Treu;Jetzt steht er auf im Zorne, die Mähnen schüttelt der Leu.

4. Er ruft des Reiches Fürsten, die stehn für einen Mann:

Der Schimpf, der dir geboten, ist allen angethan!

Wir leisten Heeresfolge, wir rollen die Banner auf;

Gott richte unsre Sache, wir kommen all zu Haus!"

5. Da schickt der König Antwort dem welschen Widerpart:

Nicht Überfall und Eidbruch deutscher Brauch und Art.

Tu brichst den Krieg vom Zaune, du sollst ihn haben, den Krieg;Gott richte unsre Sache und helfe dem Rechte zum Sieg!"

6. Und wie die Bäche zu Strömen, die Ströme sich sammeln zum

Meer,

So flutet aus allen Gauen zusammen das deutsche Heer.Schnurstracks Paris entgegen wälzt es den Siegeslauf,

Pflanzt auf Montmartres Höhen des Reiches Adler auf.

7. Und als zu Kreuz gekrochen der welsche Schalk und Schelm,

Da schmückte der Heldcnkönig mit Eichenlaub den Helm,

Zog neu mit seinem Schwerte des deutschen Reiches Mark

Und sprach:Habt Dank, ihr Fürsten, die Eintracht macht uns

sstark!"

8. Und fragt ihr mich nach Namen: Wer, wo und wie und wann?So wißt: Otto der Zweite, so hieß der deutsche Mann;

Der welsche Schalk und Räuber, der aber hieß Lothar;Neunhundert achtundsiebzig schrieb man im selben Jahr.

9. Es ist eine alte Geschichte und ist kein neues Gedicht;

In unsern Heldenmären, da lest ihr den Bericht;

Es ist eine alte Geschichte, doch wird sie immer noch neu,

Von welschem Trug und Tücke, von deutscher Kraft und Treu.

Eerok.