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Das Feld ist rot, und die Bruder sind tot,
Und hinter uns rasselt der Feind.
2. Wohl klag' ich manch gebrochnen Speer,
Manch Wappenschild zerspalten;
Doch schmerzt's um den heiligen Kelch mich noch mehrIn meines Mantels Falten.
3. Im Schlachtfeld tranken wir alle daraus,
Zu sühnen uns mit Gott;
Soll nun beim wüsten SiegesschmausDer Heid' ihn schwingen zum Spott?
4. Herr Ott, und fühlt ihr euch stark und jung,
Noch einmal wendet das Roß,
Versucht mit scharfem SchwertesschwungNoch einmal zu hemmen den Troß.
5. Und haltet ihr nur so lang' ihn auf,
Als ihr ein Ave sagt.
So rettet meines Hengstes LaufDen Kelch, um den ihr's wagt."
6. Herrn Otts Besinnen war nicht groß,
Sprach: „Ja"! und weiter nichts;
Des Meisters Roß von bannen schoßIm Strahl des Mondenlichts.
7. Und als das Kreuz auf dem Mantel weißNicht mehr zu kennen war,
Da sauste schon auf Gäulen heißHeran der Litthauer Schar.
8. Und als der Mantel fern im SchwungNur schien wie ein fliegender Schwan,
Da fielen sie den Ritter jung
Mit grimmigen Streichen an.
9. Die krummen Schwerter blinkten frei,
Es rasselten dumpf die Keulen,
Dazwischen ging ihr KampfgeschreiWie hungriger Wölfe Heulen.
10. Herr Ott vom Bühl sprach: Ave Marie!
Und führt' einen Hieb, der traf;
Der Hauptmann flog vom Sattel auf's KnieMit durchgcspalt'nem Schlaf.
11 . Das zweite Wort der Held dann sprach,
Und hieb noch kräftiger schier;
Der Bannerträger zusammenbrach,
Und über ihn fiel das Panier.
12. Und Wort um Wort, und Streich um Streich,
Das war ein tapfer Gebet: