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Geschichts-Tafeln für Mittelschulen, gehobene Bürgerschulen, Töchterschulen und Präparanden-Anstalten / von Erich Neidel
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3. Einst als das NadelhaltenIhm schier an's Leben ging,Dacht' er:Das SchädelspaltenIst doch ein ander Ding!"

Fort warf er Maß und Elle,Voll Kriegslust, an die WandUnd nahm an Nabels StelleDen Säbel in die Hand

4. Sonst focht er still und friedlichNach Handwerksburschen-Recht,Jetzt war er unermüdlichBeim Fechten im Gefecht;

Es war der flinke SchneiderZum Stechen wohl geschickt,

Oft hat er an die KleiderDem Feinde was geflickt,

5. Er stieg zu hohen Ehren,Feldmarschall ward er gar,

Es möcht' ihn wenig kehren,

Daß er einst Schneider war;

Nur fand er einen Spötter,Verstund er keinen Spaß,

Und brummte:Für HundsfötterSitzt hier mein Ellenmaß!"

6. Krank lag in seinem SchlosseDer greise Feldmarschall;

Keius seiner LieblingsrosseKam wiehernd aus dem Stall;Er sprach:Als alter SchneiderWeiß ich seit langer Zeit,

Man wechselt seine Kleider,Auch hab' ich des nicht leid.

7. Es fehlt der alten HülleIn Breite schon und Läng',

Der Geist tritt in die Fülle,

Der Leib wird ihm zu eng;Gesegnet sei dein Wille,

Herr Gott, in letzter Not!"

Er sprach's und wurde stille:Der alte Held war tot.

Th Fontäne.