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Mikroskopisches und physiologisches Praktikum der Botanik für Lehrer / von Gustav Müller. Zweiter Teil / Kryptogamen
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V. Schleimpilze. Myxomycetes.

lief) der Gruppe der Ascomyceten), das andere der Klasse der Chlorophyceenoder der Cyanophyceen an.

Die Algen, die aus dem Verbände des Flechtenthallus heraustreten, sind,wie Versuche lehren, auch ohne die Anwesenheit von Pilzfäden vermehrungs-fähig, wenn ihnen nur Wasser zur Verfügung steht. Die Flechtenpilze ent-wickeln sich dagegen in der Regel nur dann, wenn die ihnen zusagenden Algen-zellen zur Stelle sind. Nur in wenigen Fällen ist es gelungen, durch geeigneteNährlösungen flechtenbildende Pilze zu kleinen Thalli auch ohne Anwesenheitvon Algenzellen zu kultivieren. In der Natur aber ist eine solche Bildung (voneiner tropischen Art abgesehen) bisher nicht beobachtet lvorden.

Stahl gelang es, im Laboratorium künstlich Flechten dadurch zu erzeugen,daß er flechtenbildende Pilze mit geeigneten Algen zusammenbrachte.

Bei der mikroskopischen Untersuchung einer Flechte iverden meist auch Ge-bilde sichtbar, die unter Aufreißen der Thallnsrindc aus der Gonidienzoneheraustreten. Es sind Soredien, die, in großen Mengen erzeugt, dem bloßenAuge als staubartige Massen sichtbar werden. Unter dem Mikroskope erscheinendie Soredien als Gruppen von Algenzellen, die von Hyphen dicht umsponnen sind.

Durch einen vegetativen Prozeß (durch Zellteilung) entstanden, sorgen nundiese Soredien, indem sie von: Winde fortgeweht werden und sich an ih>ren zu-sagenden Orten niederlassen, auf vegetativem Wege für Verbreitung derFlechten. Jedes Soredium ist der Ansgang für einen Flechtenthallus.

Die Art der Entstehung und der Aufbau stellen eine Flechte, wie schonausgeführt worden ist, nicht auf die Stufe eines ausgeprägt individuellenLebens. Im Flechtenthallus tritt uns ein soziales Sein entgegen. Wenntrotzdem die Flechten im Pflanzensysteme als besondere Klasse behandeltwerden, so hat dies darin seinen Grund, daß sie im Ban und in der Lcbcns-Iveise viel Übereinstimmendes auftveisen, und daß sie sich auch als Konsortienphplogenetisch*) iveitcr entwickelt haben. (Schenck.)

V. Schleimpil;e. Myxomycetes.

1. Chondrioderma difforme.

Aus faulenden Blättern, aus Mist usw. bemerkt inan zuweilen kleine, weiß-liche Körper von etwa 1 mm im Durchmesser. Sie liegen in größerer Zahlnebeneinander, ohne sich zu berühren. Sie sind stiellos und sitzen mit breiterBasis auf ihrer Unterlage. Die Gebilde sind die Frndflkörper eines Schleim-pilzes, der unter dem Namen Ohondrioderma difi'orme bekannt ist. Will mandie Fruchtkörper kultivieren, so empfiehlt sich ein Verfahren, das von Stras-burger in seinem Praktikum beschrieben und vorn Verfasser erprobt lvorden ist.

*) Die phylogenetische (staininesgeschichtlichc) Entlvicklung ist zu unterscheiden vonder ontogenetischen (keimesgcschichtlichen).