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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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vorfinden. Die Erinnerung an den Verlust des paradiesischen Zustandes klingtnach in den Dichtungen der heidnischen Völker als Klage um ein verlorenes gol-denes Weltalter. Ebenso lebt bei vielen Völkern das Andenken an eine großeFlut, in welcher das älteste Menschengeschlecht unterging; so bei den Jndisrn,den Babyloniern, den Griechen rc. rc.

2. Noah wurde der Stammvater eines neuen Menschengeschlechts,das vorn Berge Arärat im Hochlande von Armenien aus in dm Nach-kommen seiner Söhne Sem, Ham und Japhet sich allmählich überdie Erde ausbreitete. Die Semiten nahmen die Euphratländer ein; dieKinder Harns bevölkerten Afrika; Japhets Nachkommen fiel dasnordwestliche Asien und Europa zu. Beim Beginn der Trennung desneuen Geschlechts kam es zu einer Scheidung der Sprache, welchedie Bibel an den vermessenen Turmbau zu Babel anschließt. Ebensoentstand eine Verschiedenheit der Schädelbildung und Hautfarbe, nachwelcher sich die Menschheit in fünf Rassen teilt.

Die Rassen sind die kaukasische (weiße), die mongolische (gelbe), dieäthiopische (schwarze), die malayische (braune) und die amerikanische(rote). Der kaukasischen Rasse gehören an die Völker des südlichen Asiens, Europas(mit Ausnahme der Lappen) und der nördlichen Küstenländer Afrikas dieeigentlich weltgeschichtlichen Völker.

3. Durch die Sünde aus der Gemeinschaft mit dem heiligen Gottherausgetreten, entfernten sich die Menschen bei ihrer Zerstreuung überdie Erde immer weiter von dem Schöpfer, bis ihnen die Erkenntnis desEinen lebendigen Gottes verloren ging. Nur das allgemeine Gefühl fürdas Göttliche blieb ihnen; aber sie vermochten den Schöpfer nicht mehrvon den geschaffenen Werken zu unterscheiden und setzten diese, insbeson-dere die im Naturleben sich kundgebenden Mächte, an seine Stelle. Dieseentartete Gestalt der Religion verschieden bei den verschiedenen Völ-kern wird mit dem Namen des Heidentums bezeichnet. Ihm verfieldie gesamte alte Welt, ausgenommen ein Volk, das der Israeli ten,welches den Glauben an den Einen wahren Gott der Menschheit erhaltensollte.

4. Nach der Beschaffenheit der Wohnsitze, welche die Menschen einge-nommen hatten, gestaltete sich ihre Lebensweise. Fischfang, Jagd,Viehzucht waren die einförmigen Beschäftigungen derer, welche unwirt-liche Küstenstrecken, Gebirge oder Steppen bewohnten; auf eine höhereStufe der Gesittung erhoben sich diejenigen Völker, welche in fruchtbarenEbenen, in Flußthälern oder an günstig gelegenen Meeresküsten sich an-siedelten. Bei ihnen entwickelte sich der Ackerbau, das Gewerbe, dieSchiffahrt, der Handel; bei ihnen bildeten sich geordnete Staaten.