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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Staaten als festgeschlossene Kaste streng von der Vermischung mit denandern Ständen, die sich dann in der Regel ebenfalls in Kasten schieden.Der König, meist dem Kriegerstande angehörig, galt dem Volke gegen-über nicht nur als Vertreter göttlicher Ordnung, er war selbst vomStamme Gottes, daher Inhaber unbegrenzter Gewalt (Despot), die Unter-thanen insgesamt waren nichts als seine Knechte. Gegen diese überspannteMacht kam es zwar oft zur Empörung, die den König vom Throne stürzte,aber nur neuer Gewaltherrschaft die Stelle räumte; denn für bürgerlicheFreiheit war kein Sinn vorhanden.

4. Innig verflochten mit der Religion war ferner die Kunst, sowohldie Poesie mit ihren Hymnen und Mythen, als die Baukunst undBildn er ei mit ihren Schöpfungen. Überall herrscht hier, eben wegendieser Beziehung auf die vergötterten ungeheuren Naturmächte, das Massen-hafte und Maßlose vor, das in den Schranken des Menschlichen sich nichtzurechtzufinden weiß. So stehen in den dichterischen Mythen ungeheuer-liche Riesenbilder da; so schuf die Baukunst Riesentempel und Riesen-paläste, deren Aufführung unsägliche Ausdauer beweist; so sind die Götter-bilder kolossal und ohne Rücksicht auf Schönheit gestaltet, unförmlich nichtselten bis zum Fratzenhaften. Auch die Wissenschaft hing mit derReligion zusammen und fand ihre Pflege fast ausschließlich bei denPriestern.

5. Ein erfreuliches Schauspiel bietet die Entwickelung, zu welcherGewerbefleiß und Handel bei mehreren Völkern gelangten. In ein-zelnen Gewerben wurde (gefördert durch das Kastenwesen, das stets dasGeschäft des Vaters auf den Sohn vererbte) eine bewundernswürdige Ge-schicklichkeit erreicht; der Handel gedieh, unterstützt durch Schiffahrt unddurch Anwendung des Kamels, desSchiffes der Wüste", welches Kara-wanenzüge durch weite, wafferlose Einöden möglich machte, zu großerAusdehnung und bahnte, indem er entfernte Länder in Verbindung brachte,ansehnliche Städte entstehen oder zu hohem Glanz und Reichtum erblühenließ, den Fortschritten der Kultur die Wege.

Indem wir uns zu den einzelnen Völkern des Orients wenden,haben wir als die wichtigsten derselben hervorzuheben:

1. die Ägypter in Afrika,

2. die Babylonier und die Assyrer,

3. die Meder und die Perser,

4. die Phönizier, sämtlich im südwestlichen Asien