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Seit diesem glänzenden Siege aber begann das Kriegsglück, welchesden Hannibal bisher begleitet hatte, mehr und mehr ins Schwanken zugeraten. Zwar schloß sich nach seinen großen Erfolgen eine erheblicheZahl von Städten in Unteritalien, in Samnium und Campanien, unterihnen das wichtige Capua, von der römischen Herrschaft abfallend, derSache der Karthager an; aber Rom, im Unglück nicht verzagend, machtedie höchsten patriotischen Anstrengungen und stellte neue Heere unter er-probten Feldherren auf, sodaß sich Hannibal (dessen Truppen durch dasWohlleben in den Winterquartieren von Capua Schaden litten), vonKarthago unzureichend unterstützt, mehr auf die Verteidigung beschränktsah. Sein Bündnis mit dem Könige Philipp III. von Macedonien bliebfür ihn erfolglos; M. Claudius Marccllus, das „Schwert Roms",brachte ihm in einigen Treffen bei Nola fühlbare Verluste bei. Da-gegen gelang es Hannibal, die Stadt Tarent in seine Hände zu bringen;auch setzte er durch einen Zug bis vor Roms Thore noch einmal dasrömische Volk in gewaltigen Schrecken (Hannibal ante portas); allein ervermochte doch dadurch nicht, das römische Heer von der BelagerungCapuas abzulenken. Durch die Eroberung dieser Stadt gewannen dieRömer wieder die Oberhand in Italien. Hannibal erfocht zwar nocheinzelne Siege; doch auch Tarent ging ihm wieder verloren; sein BruderHasdrubal, der endlich aus Spanien herbeigezogen kam, wurde, eheer sich mit ihm vereinigen konnte, an dem Küstenflusse Metaurus (beiSena) in Umbrien 207 besiegt und getötet, und Italien bis auf wenigePlätze auf der äußersten Südspitze, wo Hannibal sich behauptete, ohneetwas Bedeutendes weiter zu unternehmen, von den Römern wieder unter-worfen.
2. Kampf in Sizilien. Syrakus, nach HikrosTode 215 vondem Bündnisse mit Rom abgefallen, wurde, obgleich durch die Kunst desMathematikers ArchimedcS (Wurfmaschinen) lange verteidigt, 212 vonMarcellus erobert.
3. Kampf in Spanien. In Spanien fielen zwar nach langen,wechselvollen Kämpfen die beiden Brüder P. und Cn. Comelius Scipioin zwei unglücklichen Schlachten gegen die Karthager (212); aber desersteren Sohn, der junge P. Cornelius Scipio, hielt durch glückliche Er-folge (Einnahme von Neu-Karthago) nicht nur den Hasdrubal längereZeit vom Zuge nach Italien zurück, sondern unterwarf nach völliger Ver-treibung der Karthager bis 206 die Halbinsel den Römern.
4. Kampf in Afrika. Nach seiner Rückkehr aus Spanien wurdeScipio Konsul, erhielt Sizilien als Provinz und ging von dort nach
Andrä, Grundriß der Weltgeschichte. 6