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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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wurden in Kleinasien und Syrien die Christen verfolgt: unter den Opfernbefand sich auch der Bischof Jgnatius von Antiochm, der im Amphi-theater zu Nom von Löwen zerrissen wurde. Der Kaiser Marc Aurelsuchte die Christen, in denen er staatsgefährliche Schwärmer erblickte, imsüdlichen Gallien durch grausame Todesstrafen zu vernichten. Der BischofPolykarp von Smyrna, ein Jünger des Apostels Johannes, starb aufdem Scheiterhaufen, weil er sich weigerte,dem Herrn zu fluchen, demer 86 Jahre treu gedient". Kaiser Decius (250) veranlaßte die ersteallgemeine Verfolgung der Christen: nicht wenige wurden Christoabfällig und opferten den Göttern, doch drängten sich auch zahlreiche Be-kenn er zu den Kerkern. Die schwerste Heimsuchung endlich erging überdie Kirche unter Diocletian. Der Kaiser befahl, sämtliche Kirchender Christen niederzureißen, ihre heiligen Schriften zu verbrennen; dieChristen sollten das römische Bürgerrecht verlieren und durch jegliches Ge-waltmittel zum Opfern gezwungen werden. Die Verfolgung wütete fastdurchs ganze Reich; aber auch die ausgesuchtesten Martern waren unzu-reichend, die Christen von der Erde zu vertilgen. Mit dem Kaiser Con-stantinus änderte sich die Lage. Schon früher dem Christentum günstig,erließ er nach dem Siege über seinen Gegner Maxentius (312), welchenSieg er dem Zeichen des Kreuzes (in diesem wirst du siegen") zuschrieb,ein Gesetz, das den Christen freie Religionsttbung gewährte. Die Ver-folgungen hatten bewiesen, daß die Kirche Christi nicht überwältigt werdenkönne. Sie hatten ihren endlichen Sieg nur gefördert, indem sie ihreinnere Herrlichkeit offenbarten und sie von Schäden, die in sie eingedrungenwaren, läuterten. Insbesondere wurde das Blut derMärtyrer, derenTodesfreudigkeit nicht von dieser Welt war,der Same der Kirche".

3. Die Verfassung der christlichen Kirche in der Zeit der Apostelwar sehr einfach. An der Spitze der gesamten Gemeinden standen alsBegründer des Christentums die Apostel; die Gemeindeglieder warenunter einander gleich, nur die mannigfache Verteilung der Gaben desheiligen Geistes brachte Unterschiede unter ihnen hervor. Die wirk-lichen Gemeindeämter bildeten sich aus dem Bedürfnis nach dem Vorbildeder jüdischen Synagoge. Jeder Gemeinde wurden Älteste (Presbyter)als Leiter vorgesetzt, für die Pflege der Armen und Kranken wurdenDiener (Diakonen) bestellt. In der nachapostolischen Zeitschloffen sich die Kirchenbeamten mehr und mehr zu einem festen, immerreicher gegliederten Stande zusammen, der sich als Klerus von der Mengeder Gemeindeglieder, den Laien, sonderte. Unter dem K l eru s selbst abererhob sich über die andern Presbyter (Priester) als Stellvertreter und