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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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der Evangelisten und Apostel wurden im Neuen Testament zusammen-gefaßt. Als kurze Summa der Hauptlehren des Evangeliums entstanddas apostolische Glaubensbekenntnis. Gegenüber den Irr-lehren, welche die christliche Wahrheit entstellen drohten, wurde dieKirchenlehre an gelehrten Schulen allmählich wissenschaftlich entwickelt.Der berühmteste Kirchenlehrer dieser Periode war Origenes von derSchule zu Alexandria.

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Das christliche Nömerreich und die Kirche bis zumUntergänge des weströmischen Reiches 476.

1. Constanlinus der Große hatte nach der Besiegung des Maxentius(Z 59, 2) noch zwei Mitkaiser, von denen der eine bald umkam, derandere, Licinius, eine Zeit lang gemeinschaftlich mit ihm regierte.Nachdem er auch diesen überwunden hatte, war er Alleinherrscher desganzen Reiches. Als solcher verlegte er die Residenz nach Konstan-tinopel (dem neuerbauten Byzanz), gestaltete die gesamte Staatsver-fassung um und gab dem Reiche eine neue Einteilung (in die vierPräfekturen: Orient, Jllyrien, Italien und Gallien, die wieder in (13)Diözesen und (117) Provinzen zerfielen). Er erhob das Christentum zurStaatsreligion und berief die erste allgemeine (ökumenische) Kirchen -versammlung (Konzil, Synode) nach Nicäa.

2. Auf dem Konzil zu Nicäa 325 wurde ein Streit, der in derKirche über die Person Christi entstanden war, entschieden. Der PresbyterArius zu Alexandria hatte nämlich die Behauptung aufgestellt, daß derSohn Gottes ein Geschöpf des Vaters und daher diesem, wenn auchwesensähnlich, doch untergeordnet sei. Diese Lehre hatte Anstoß erregt,und vorzüglich auf Betreiben des Athanasius, der bald darauf Bischofzu Alexandria wurde, verwarf nun die Versammlung der Bischöfe zuNicäa die Meinung des Artus und stellte in dem n i c ä i s ch e n G l a u b e n s -bekenn tnis als Kirchenlehre fest, daß der Sohn Gottes gleichenWesens mit dem Vater sei.

Hiermit war in der christlichen Glaubenslehre eine wichtige Bestim-mung getroffen, wenngleich der einmal erregte Streit in der Kirche, inden sich von nun an der kaiserliche Hof einzumischen pflegte, noch langezerrüttend fortwirkte. Überhaupt nahm die Kirche seit ihrem äußerenSiege an innerer Kraft und Lauterkeit ab, da die massenhaften Über-tritte znm Christentum, welche seit Constantin erfolgten, viel unreines