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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Wesen in die Kirche brachten. Der Kaiser selbst besteckte sich durch einzelneHandlungen der Grausamkeit. Die Taufe empfing er erst kurz vor seinemTode (337).

3. ConstantinsSöhne, Constantinus, Constantius undCon-stans, teilten sich nach des Vaters Tode in das Reich, zuletzt wurdeConstantius Herr des Ganzen (f 361). Dessen Vetter und Nachfolger

Iulianus der Abtrünnige (Apostäta), von dem Christentum, wie eres an dem entarteten Hofe seiner Verwandten kennen gelernt, abge-stoßen, suchte das Heidentum, welches er in der verschönernden Darstel-lung durch die Dichter und Weisen der Vorzeit liebgewonnen hatte,wieder zur Herrschaft zu bringen. Es war zu spät. Nach 20monatlicherRegierung blieb er im Kampfe gegen die Perser. Nach ihm herrschtenwieder christliche Kaiser, zunächst Jovianus (363364), Valen-tinianus I. (364375) und sein Bruder und Mitregent Valens(364378), während deren Regierung die Völkerwanderung (§ 64 ff.)begann. Valens fiel gegen die Goten bei Adrianopel (Z 64). NachGratians (375383) und Valentinians II. (392) Tode warTheodosius der Große Alleinherrscher.

4. Theodosius verbot allen heidnischen Opferdienft und ließ dieGöttertempel zerstören oder zu Kirchen einweihen. Aber seit der Ver-nichtungdesHeidentums mehrte sich auch die Verwirrung in der Kirche.Streitigkeiten über die Lehre erfüllten Jahrhunderte hindurch beson-ders die östlichen Länder. Eine Reihe von Kirchenversammlungen(Konzilien) stellte die einzelnen Glaubenssätze fest und verurteilte dieWidersprechenden als Ketzer. Vorzüglich angesehene Lehrer wurden durchden Namen Kirchenväter ausgezeichnet. So namentlich der beredteBischof Johannes Chrysostömus (Goldmund) zu Konstantinopel,der Erzbischof Ambrosius zu Mailand, der gelehrte BibelübersetzerHieronymus und vor allen der Bischof Augustinus zu Hippo (inAfrika), der durch seine Schriften den tiefsten Einfluß aus die Kirche geübthat (alle diese Männer um 400). Die Gewalt der Bischöfe stiegmehr und mehr; den drei mächtigsten unter ihnen, den Bischöfen vonRom, Alexandria und Antiochia, wurden die von Konstantinopel undJenisalem hinzugefügt und diese fünf als Patriarchen vorangestellt;den höchsten Rang hatte der Bischof von Rom, der, vorzüglich seitLeo I. dem Großen, durch den Namen Papst ausgezeichnet wurde.Der Gottesdienst gestaltete sich immer glanzvoller. Die Kirchenfüllten sich mit Bilderschmuck. Zu den Festen kamen außer dem Weih-nachtsfeste, das jetzt erst allgemein begangen wurde. Tage zu Ehren