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der Jungfrau Maria, der Apostel, der Heiligen. Besonders hochgehalten wurde das Mönchtum. Schon sein Stifter Antonius (Z 59, 4)versammelte viele Jünger um sich; das Bedürfnis der Gemeinschaft führtedie Einsiedler in Klöster zusammen, deren Gründung von Pachomius,einem Schüler des Antonius, ausging, und die rasch sich im Morgen-und Abendlande verbreiteten. Gegenüber den Entsagungen und Kasteiungender Mönche war aber das gesamte gesellschaftliche Leben in die tiefsteZerrüttung versunken; das Christentum vermochte die so sehr entarteteRömerwelt nicht wahrhaft zu durchdringen und vor dem Untergänge zubewahren. Dieser nahte heran.
5. Vor seinem Tode verordnete Theodosius die Teilung des Reiches395 unter seine Söhne Arcadius, der das Morgenland, und Honorius,der das Abendland erhielt. Von nun an bestanden ein morgenlä ir-disches (griechisches) und ein abendländisches (weströmisches) Kaiser-tum selbständig nebeneinander. Das erste dauerte noch ein Jahrtausend(bis 1453, s. Z 93, 3). Das weströmische dagegen, unter Honorius (bis424), Valentinianus III. (bis 455) und mehreren folgenden Kaisem —Stillcho, AStius und Ricimer Leiter der meisten Kaiser seit Hono-rius — durch die Stürme der Völkerwanderung lange heftig erschüttert,fand seinen Untergang 476, indem der letzte Kaiser Nomulus Augustulusvon Odoaker, dem Anführer deutscher Soldtruppen im kaiserlichen Heere,entthront wurde. An die Stelle der Römerherrschaft trat ein deutschesReich in Italien (§ 68, 1).
Das Christentum aber ging von den Besiegten zu den Siegern über.Es fand eine neue Stätte unter den germanischen Völkern, bei welchen esauf einem frischeren Boden kräftiger Wurzel fassen und tieferen Einfluß übenkonnte (Z 71).