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blieben zuhause. — Für den höchsten Ruhm hielten sie es, wenn von ihrenGrenzen an möglichst weit das Ackerland unbebaut daliege; dadurch werde an-gedeutet, daß die Nachbarvölkerschaften gegen ihre Macht nicht standzuhaltenvermöchten". — „Eine eigentümliche Sitte des Stammes war, das Haar nachhinten zu streichen und in einen Knoten zusammenzubinden'.
Von den einzelnen suebischen Völkerschaften sind hervor-zuheben :
1. die Semnonen zwischen der Elbe und Oder, um Havel und Spree;
„sie gaben sich für die ältesten und edelsten der Sueben aus";
2. die Langobarden bei Lüneburg, am linken Elbufer;
3. die Angeln in Schleswig;
4. die Hermunduren zwischen der Donau, der Saale und den Quellender Elbe;
5. die Markomannen in Böhmen, woraus sie die (keltischen) Bojerverdrängten;
6. die Quaden in Mähren;
7. die Wandalen am Riesengebirge;
8. die Herüler und die Rügier an der Odermündung und aufRügen;
9. die Burgunder zwischen Oder und Weichsel;
10. die Go tonen oder Goten zwischen Weichsel und Pregel.
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Religion, Sitte und Verfassung.
1. Die alten Germanen waren ein zwar noch rohes, aber natur-krästig gesundes, reich begabtes, frisch aufstrebendes Volk. Ihr Götter-glaube ging von der Naturbetrachtung aus und spiegelte wie die Gemüts-tiefe, so das kampfbewegte Leben des Volkes ab. Ihr höchster Gott warWuotan (Odin), der Allvater und Weltlenker, dessen Auge die Sonneist, der jeglichen Segen spendet, insbesondere den Sieg verleiht (die Wal-küren, Walhall); neben ihm Donar (Thor), der rotbärtige Donnergottmit dem Hammer, Ziu (Tyr), der einarmige Kriegsgott. Unter denGöttinnen stehen oben an: Frigg, Wuotans Gemahlin, und Frey ja,die Göttin der Liebe und des Frühlings. Die Verehrung der GöttinNerthus (Erdmutter) beschreibt Tacitus. Auch Halbgötter werdengenannt, wie Tuistos Sohn Mannus, Siegfried rc. rc.; endlich Natur-geister: Elfen, Nixen, Riesen, Zwerge rc. rc. (Weitere Ausbildung desdeutschen Götterglaubens in dem stammverwandten Skandinavien, dieEdda). Der Götterdienst fand in heiligen Hainen, auf Berggipfeln