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4. Daraus suchten die Römer in das Innere von Deutschlandvorzudringen. Drusus unternahm drei Feldzüge 12—9 v. Chr., legteam Rheins 50 Kastelle an und gelangte bis an die Elbe, starb aber aufdem Rückwege infolge eines Sturzes mit dem Pferde (die Seherin). SeinBruder Tiberius brachte, weniger durch Waffengewalt, als durch Unter-handlung und List, die (westdeutschen) Volksstämme zwischen Rhein undElbe zur Unterwerfung. Auch das von Marobod in Böhmen (Bojen-heim) gegründete Markomannenreich wollte er angreifen, wurde jedochdurch einen Aufstand der pannonischen Völker am adriatischen Meere zumAbzüge genötigt. Bald darauf glückte es den Deutschen, sich von derHerrschaft der Römer zu befreien. Der junge Cheruskerfürst Arminius(Hermann) vereinigte nämlich mehrere deutsche Stämme in der Stille zueinem Bunde, verleitete den durch Auflegung drückender Steuern und Ein-führung der römischen Rechtspflege und Sprache den Deutschen verhaßtenrömischen Statthalter Quintilius Varus durch die verabredete Em-pörung ejnes entfernt wohnenden deutschen Volkes zu einem Zuge durchden unwegsamen Tcutoburger Wald und besiegte ihn dort gänzlich9 n. Chr.: die drei besten Legionen Roms, 27 000 Mann, wurden in drei-tägiger Schlacht völlig vernichtet, Varus tötete sich selbst, Deutschlandbis zum Rheins ward frei.
Germanicus, des Drusus Sohn, drang auf mehreren Feldzügenwieder in Deutschland erobernd vor (14—16 n. Chr.). Er kam miteiner Flotte durch die Nordsee in die Ems, begrub die Gebeine der unterVarus im Teutoburger Walde gefallenen Römer, rückte über die Wesergegen die Cherusker vor (Sieg über Arminius bei Jdistaviso unweitBückeburg; verlustreiche Rückkehr), wurde aber, ohne die UnterwerfungDeutschlands vollbracht zu haben, vom Oberbefehle abberufen (f 19 imOrient).
Armin, „unstreitig der Befreier Deutschlands, in Schlachten nicht immerglücklich, im Kriege unbesiegt', fällt 21 in den Parteikämpfen seines Stammesdurch Meuchelmord (37 Jahre alt). Thusnelda, Segest — Marobods Ausgang.
Deutschland blieb frei. Nur im Südwesten überschritt die Herr-schaft der Römer den Rhein und die Donau durch die Gründung derZehntlande, zu deren Schutz sie einen befestigten Grenzwall, denPfahl-graben, anlegten.
Der Pfahlgraben erstreckte sich (60—70 Meilen lang) von der Mündungder Altmühl bei Kelheim bis zur Mündung der Lahn.
5. Die Verteidigungskriege der Deutschen wurden iin zweiten Jahr-hundert zu Angriffskriegen. Die Markomannen, verbunden mit