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ein neues Staats leben, dessen Grundlage das Lehns- oder Feudal-wesen war. Das eroberte Land wurde nämlich so geteilt, daß derKönig einen Teil als Eigentum für sich behielt, einen zweiten seinem Ge-folge gab und den dritten den Besiegten gegen Zinsabgaben ließ. Ausdem Gefolge bekam jeder einzelne sein Los als freies erbliches Eigentum— Allod. Von seinem Gut verlieh dann der König wieder Stücke zurNutznießung an einzelne seiner „Getreuen". Ein solches Stück hießLehnsgut oder Feod, der es gab: Lehnsherr, der es empfing:Lehnsmann oder Vasall. Der Vasall mußte dem Lehnsherrn imKriege und bei Hofe dienen (Hofämter). Hierdurch erhöhte sich einerseitsdes Königs Macht, andererseits gelangten die Vasallen zu größerem An-sehen und Wohlstände, als die andern Freien durch ihr bloßes Allod be-saßen. Viele Freie übertrugen daher ihre Allodien an mächtige Lehns-herren, um sie von diesen als Lehen wieder zurückzuerhalten. Die großenLehnsträger aber ahmten das Beispiel des Königs nach und gaben vonihren Gütern zu Lehen, um sich ebenfalls getreue Dienstleute zu schaffen.Diese Untervasallen waren demnach dem Könige mittelbar durch ihreLehnsherren verbunden. Sie bildeten später den niederen, letztere denhöheren Lehnsadel. Auf diesem Lehnswesen, das durch die Frankennachher auch in Deutschland aufkam, beruhte im Mittelalter die ganzeStaatsverfassung. ^
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Das griechische Kaiserreich.
1. Als ein Rest aus dem Altertum bestand neben den neugegrün-deten Reichen der germanischen Völker noch das morgenländische Römerreichoder das griechische (byzantinische)Kaisertum. Es hatte sich gegendie von außen feindlich andringenden Völker (Hunnen, Goten rc.) erhalten,obgleich es auch im Innern durch heftige Parteikämpfe und sittliche Ent-artung tief geschwächt war. Unter dem Kaiser Zustimmt I. 555 hattees sogar noch einmal eine Zeit des Glanzes. Er beschützte die nördlichenGrenzen gegen die Einfälle barbarischer Völker, wehrte den Andrang dermächtigen Perser unter Kosru I. ab und ließ durch Belisar das Van-dalenreich erobern (H 69, 1), durch Narses das Ostgotenreich zerstören(tz 68, 2). Er sorgte für die Gesetzgebung durch Sammlung derrömischen Gesetze (im Eorpus z'uris durch Tribouian), erbaute dieSophienkirche in Konstantinopel und verpflanzte den Seidenbaunach Europa.