134
Als daraus die deutschen Fürsten von Heinrich abfielen und mit derWahl eines neuen Königs drohten, begab sich Heinrich, von allen ver-lassen, mitten im Winter über die Alpen (den Mont-Cenis) nach Italien,erflehte im Schlosse Canossa drei Tage barfuß und im Bußkleide Ver-gebung vom Papste und wurde dann unter harten Bedingungen vomBanne losgesprochen, 1077, 28. Januar. Aber erbittert über die ihmwiderfahrene Demütigung, entzweite er sich von neuem mit dein Papste,und die Fürsten wählten nun in dem Herzog Rudolf von Schwaben(Heinrichs Schwager) einen Gegenkönig. Doch die Bürger in den Städtenhielten treu zu ihrem Könige Heinrich, der den Kampf entschlossen auf-nahm, während er abermals in den Bann verfiel. Rudolf starb, in einerfür ihn siegreichen Schlacht (bei Hohenmölsen unweit Weißenfels) tödlichverwundet; darauf zog Heinrich (der das Herzogtum Schwaben demFriedrich von Hohenstaufen — § 82 — übertrug) mit Heeres-macht über die Alpe« gegen Gregor, nahm nach dreijähriger BelagerungRom ein und ließ sich von dem durch ihn eingesetzten Papste Clemens III.als Kaiser krönen (1084). Gregor war in die Engelsburg geflüchtet,wurde durch den Normannenherzog Robert Guiscard befreitund starb als Flüchtling in Salerno mit dem Bewußtsein, „die Gerechtig-keit geliebt zu haben". Heinrichs zweiter Gegenkönig (Graf Hermann vonLuxemburg) konnte kein Ansehen erlangen und dankte daher ab.
Robert Guiscard hatte, indem er sich vom Kaiser als seinem Lehnsherrntrennte (Z 79, 5), vom Papste die Herzogswürde (in Apulien und Calabrien)erhalten und dafür den Papst als Lehnsherrn anerkannt.
3. Heinrich IV. und seine Söhne.
Heinrichs ältester Sohn Konrad, von der päpstlichen Partei ver-leitet, empörte sich gegen seinen Vater und ließ sich zum Könige krönen,wurde aber deshalb von der Nachfolge ausgeschlossen und starb in Schmach.Darauf erhob sich auch der jüngere Sohn, Heinrich, nahm den Vatergefangen und zwang ihn zu Jngelheim durch Drohungen, der Regierungzu entsagen. Der Kaiser entkam der Haft, floh nach Lüttich und starbdort 1106, wurde aber erst 1111, nach Lossprechung vom Banne, zuSpeier begraben.
0. Heinrich V.
Heinrich V. 1106—1125 kämpfte heftig wegen der Investitur gegenden Papst (den er nebst den Kardinälen gefangen nahm), bis der Streitdurch das Worin ser Konkordat 1122 beigelegt wurde, nach welchemdie Bischöfe vom Papste mit der geistlichen Gewalt (durch Ring und