Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
146
JPEG-Download
 

146

Kreuzzügen waren sie der Kern der Heere. Als eigener Stand schlössensie sich allmählich mehr und mehr ab, namentlich durch die Turniere, zuwelchen nur, wer von ritterlicher Herkunft (ritterbürtig) war und diePflichten des Ritterstandes erfüllte, zugelassen wurde. Diese Pflichtenbestanden darin, daß der Ritter seine Ehre unbefleckt erhielt, der Kirchegehorsam, dem Lehnsherrn treu, hold und gewärtig war, die Schwachenund Bedrängten beschützte und Höflichkeit gegen die Frauen beobachtete.Der Ritterstand hatte die drei Abstufungen des Edelknaben, desKnappen und des Ritters. Zu der Ritterwürde wurde der Knappenach hinreichender Erprobung seiner Waffentüchtigkeit durch den Ritter-schlag erhoben. Die Ritterburgen, meist aus Berghohen, hatten alsHauptbestandteile den hohen Wartturm (Bergfrit), das Herrenhaus(Palas) und das Frauenhaus (Kemenate).— Durch die Kreuzzüge ge-wann das Rittertum höhere geistige Bildung, feinere Sitten und einereligiösere Richtung. Insbesondere wurden durch sie die in Palästina ge-stifteten drei geistlichen Ritterorden hervorgerufen. Die Mitglieder der-selben legten außer den drei Mönchsgelübden (Z 71, 2) noch das vierteGelöbnis ab, die Waffen zur Verteidigung der christlichen Religion gegendie Ungläubigen zu führen. Jedem Orden stand ein Großmeister oderHochmeister vor. Die einzelnen Orden waren:

a. Die Johanniter. Kaufleute aus der Stadt Amalfi in Unteritalienhatten noch vor den Kreuzzügen ein Kloster und Hospital zur Pflegekranker Pilger in Jerusalem gestiftet. Nach dem ersten Kreuzzugwurde dieser Verein zu einem Ritterorden erhoben, dessen Mitgliedersich nach dem heiligen Johannes (dem Täufer) Johanniter nannten.Ordenstracht ein schwarzer Mantel mit weißem Kreuze. Außer denRittern gehörten zum Orden auch Priester und dienende Vrüder,welche die Kranken pflegten. Nach dem Verluste Palästinas ließensich die Johanniter auf Cppern nieder, dann eroberten sie Rhodus(Rhodiserritter), und von dort durch die Türken vertrieben, erhieltensie (von Kaiser Karl V.) 1530 Malta (Malteser), das ihnen 1798(§ 124, 4) entrissen wurde.

b. Die Tempelherren, ein Orden aus einem Vereine französischerRitter entstanden und nach ihrer Wohnung an der Stelle des ehe-maligen salomonischen Tempels benannt, trugen als Ordenskleideinen weißen Mantel mit rotem Kreuze. Der Orden verlegte nachdem Ende der Kreuzzüge seinen Hauptsitz nach Cypern, wurde aberbald darauf, auf Betreiben des Königs Philipp IV. des Schönenvon Frankreich, vom Papste als aufgehoben erklärt, seiner reichen