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Das Papsttum und das Mönchswesen.
1. Die Kreuzzüge hatten einen mächtigen Einfluß auf die ZuständeEuropas. Vor allem hoben sie die Macht und das Ansehen der Kircheund des Papstes. Ihren Gipfel erreichte die päpstliche Gewalt durchJnnocenz III. (st 1216), in welchem sie, wie die Sonne den Mond, alleweltliche Herrschaft an Glanz und Ausdehnung überstrahlte. Könige undKaiser demütigte der Papst durch den Bann, ganze Länder (wie Englandunter Johann ohne Land) belegte er mit dem Interdikt. Abtrünnigevon der römisch-katholischen Kirche, wie die Albigenser und Wai-den s er im südlichen Frankreich, wurden durch die Gewalt der Waffenoder der Inquisition (ein Glaubensgericht, welches der Papst zur Auf-suchung und Bestrafung der Ketzer einsetzte) vernichtet. Der Heldenstammder Hohenstaufen erlag der stärkeren Macht des Papstes.
2. Eine bedeutende Stütze fand die päpstliche Macht in den sichmehrenden Klöstern und Mönchsorden (Karthäuser, Cisterzienser, Prä-monstratenser u. a.), besonders in den unter Jnnocenz III. entstandenenBcttelorden der Dominikaner oder Predigermönche (gestiftet von demSpanier Dominicus) und der Franziskaner oder Minoriten (durchFranz von Asstsi gegründet), welche gleichsam das stehende Heer derPäpste wurden.
Arnold von Brescia, der in der Kirche die Einfachheit der aposto-lischen Zeit zurückführen und besonders die weltliche Herrschaft des Papstes be-seitigen wollte, fand in Rom den Feuertod (1155). Ihm gegenüber war vonweitgreifendem Einflüsse auf die Kirche der heilige Bernhard, Abt vonClairvaux (s- 1153), die Zierde des Cisterzienserordens, ein Musterbild desMönchtums.
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Rittertum und Städtewesen; Kunst und Wissenschaft.
Das Zeitalter der Kreuzzüge bildete den Höhepunkt des Mittel-alters. Durch sie wurde das Rittertum ausgebildet, der Handel er-weitert, und dadurch der Reichtum der Städte vermehrt, die Künste undWissenschaften gefördert (Z 8st, 6, Anm.).
1. Das Rittertum hatte sich aus der Zahl derer gebildet, die denKriegsdienst zu Pferde leisteten. Die Ritter standen in der Mitte zwischendem hohen Adel und denjenigen Freien, denen das Kriegshandwerk nichtherkömmlich war, und bildeten den Anfang des niederen Adels. In den
Andrii, Grundriß der Weltgeschicht«. 10