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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Hauses Arpad (1301) wurde Ungarn ein Wahlreich, und ein Prinz ausden: Hause Anjou zum König erhoben, dessen Sohn Ludwig der Große (1342bis 1382) die Länder von der Ostsee bis zum Hämus und vom Adriatischen biszum Schwarzen Meere beherrschte. Ihm folgte als König von Ungarn seinSchwiegersohn, der Kaiser Sigismund (8 90,3), dann dessen SchwiegersohnAlbrecht II-, und als dessen minderjähriger Sohn Ladislaus gestorben war,wählten die Ungarn in Matthias Corvinus 14581490, dem Sohne desNeichsverwesers Hunyad, einen einheimischen König, der Mähren, Schlesien unddie Lausitz eroberte, glückliche Kriege gegen die seit Sigismunds Regierung vor-dringenden Türken (Z 93, 3) führte und durch Beförderung der geistigen Bil-dung, der Gewerbe und des Landbaues seine Regierung verherrlichte. Nachseinem Tode wurde Ungarn mit Böhmen vereinigt und 1527 beide Länder durchden (späteren) Kaiser Ferdinand I-, der die Schwester des letzten KönigsLudwig II. (ch 1526 in der Schlacht bei Mohacz gegen die Türken) zur Gemahlinhatte, mit Österreich verbunden (8 101, 1).

3. Maximilian I. 14931519, Friedrichs Sohn,erwählterrömischer Kaiser",der letzte Ritter", hatte durch seine Vermählung mitKarls des Kühnen Tochter, Maria von Burgund, die Nieder-lande erworben.

Von dem (1032) mit dem deutschen Reiche vereinigten Königreiche Burgund(8 76, Z 80, 1) hatten sich das Herzogtum Burgund (Bourgogne) und dieFreigrafschaft Burgund (Franche-Comtk) längst unabhängig gemacht. Im15. Jahrhundert waren dann durch Erbschaft, Kauf und Heirat fast sämtlicheProvinzen der sehr blühenden Niederlande zu den Besitzungen der Herzöge vonBurgund hinzugekommen. Karl der Kühne (14671477) wollte sein von derNordsee bis zu den Alpen reichendes Gebiet zum Königreich erheben. Ereroberte Lothringen und zog gegen die Schweizer, wurde aber. von diesenbei Grandson und Murten geschlagen, Lothringen ging verloren und Karlsiel bei Nanzig (1477). Frankreich nahm das Herzogtum Burgund (8 76)in Besitz, das übrige Erbe (die Niederlande und die Franche-Comli) be-hauptete Maximilian als Gemahl Marias, der Erbrachter Karls.

Durch Anordnung desewigen Landfriedens" 1495 und Einsetzungdes Reichskammergerichts (zuerst in Frankfurt, dann in Speier bis1690, zuletzt in Wetzlar) sorgte der Kaiser für Wiederherstellung der Ord-nung und der Einheit des Reiches. Zur besseren Handhabung des Land-friedens teilte er (1512) Deutschland in zehn Kreise (den obersächsischen,niedersächsischen, westfälischen, kurrheinischen, oberrheinischen, schwäbischen,fränkischen, bayerischen, österreichischen und burgundischen, s. Karte IX).Den Verkehr beförderte er durch Einführung des Postwesens (erstePostzwischen Brüffel und Wien 1516, Thurn- und Taxissche Posten). An denKriegen der Franzosen und Spanier um Italien nahm er ohne Nutzenteil. Dagegen eröffnete er dem Hause Habsburg die Aussicht auf neuenMachtzuwachs durch die Vermählung seines Sohnes Philipp mit der