156
als losgetrennt vom Reiche betrachten. Ihre völlige Trennung von Deutschlandwurde jedoch erst im westfälischen Frieden 1648 (Z 102, 5) ausgesprochen.
Was den Stand der Künste und Wissenschaften in Deutschland im 14. und
15. Jahrhundert betrifft, so war zunächst die Dichtkunst von der Höhe, diesie im 13. Jahrhundert erreicht hatte (Z 88, 3), herabgesunksn. Von den Höfender Fürsten war sie in die Werkstätten der Handwerker übergegangen, an dieStelle des Minnegesangs der zunftmäßige Meistergesang getreten (Haupt-schulen zu Nürnberg, Augsburg und Straßburg; Meistersänger: HeinrichFrauenlob zu Mainz und Hans Sachs zu Nürnberg, der jedoch mehr dem
16. Jahrhundert angehört). — Die deutsche Baukunst (obwohl schon sinkend)brachte noch Meisterwerke hervor, wie die Dome zu Prag, zu Ulm, zu Ant-werpen. Die Glasmalerei erlangte ihre volle Ausbildung in der Farbenglut,mit der sie die gotischen Kirchen füllte. Die Ölmalerei wurde von demNiederländer Johann van Eyk (um 14L0) mit siegreichem Erfolge eingeführt.In der Bildner ei, welche im Mittelalter nicht selbständig, sondern der Bau-kunst untergeordnet war, zeichnete sich am Ende dieser Periode der NürnbergerMeister Peter Bischer (Grabdenkmal des heiligen Sebaldus, Kunstd. VI, 9)aus. — Die Wissenschaften hatten neue Pflegestätten in den Universi-täten erhalten. Nach dem Vorgänge Prags (Z 90,1) waren noch im 14. Jahr-hundert zu Wien und Heidelberg, im 15. in einer ganzen Reihe deutscher Städte(Köln, Erfurt, Würzburg, Leipzig, Freiburg, Jngolstadt, Tübingen u. a.) Uni-versitäten gegründet worden. Besonders aber blühten die Wissenschaften emporseit der Eroberung Konstantinopels (Z 93, 3).
Im kirchlichen und sittlichen Leben dagegen hatte die Verwilderungzugenommen: zügellose Fehdesucht, Raubritterwesen, Kämpfe des Adels gegendie Städte; — Verfall des Klosterlebens, Entartung der Geistlichkeit. Aberauch ein innigeres Christentum hatte seine Vertreter, wie Tauler und dieBrüder des gemeinsamen Lebens (denen Thomas von Kempen, derVerfasser der „Nachfolge Christi", angehört). — Dem Raub- und Fehde-wesen traten die in Westfalen (auf der roten Erde) bestehenden Femgerichteentgegen, die eine große, allmählich furchtbar mißbrauchte Gewalt übten, jedochseit dem Ende des 15. Jahrhunderts bereits im Sinken waren.
8 92.
Übersicht der wichtigsten übrigen Länder.
I. Italien.
Italien zerfiel seit dem Ende der Hohenstaufen in eine Reihe vonStaaten.
1. In Oberitalien waren die wichtigsten derselben Venedig,Mailand und Genua.
L. Venedig (gegründet zur Zeit Attilas § 66, Freistaat unter ge-wählten Herzögen — Dogen) hatte sich seit den Kreuzzügen zur