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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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lungen zu Konstanz und Basel (§ 90, 3) nicht befriedigt worden. Datrat als Reformator Martin Luther auf.

Luther war geboren zu Eisleben am Martinsabend, 10. November 1483.Von seiner Herkunft erzählt er:Ich bin eines Bauern Sohn; mein Vater,Großvater, Ahnherr sind rechte Bauern gewest. Hernach ist mein Vater genMansfeld gezogen und daselbst ein Berghauer worden". Der Vater hieß HansLuther und wohnte anfänglich im Dorfe Möhra unweit Salzungen, dann inEisleben, darauf in Mansfeld. Luther besuchte als Knabe die Schule zu Mans-seid; in seinem 14. Jahre wurde er nach Magdeburg zu den Franziskanern indie Schule geschickt, »da man die Kinder wie Vogel in Vogelbauern hielt undihnen keine Ergötzung gönnte"; im 15. Jahre kam er nach Eisenach auf dieSchule (Kurrentschüler). Dort nahm ihn Frau Cotta ins Haus,dieweil sieum seines Singens und herzlichen Gebets willen in der Kirche Zuneigung zuihm trug". 1501 bezog er die Universität Erfurt. Damals bekam er zuersteins vollständige lateinische Bibel in die Hand. 1505 wurde er Magister undhielt philosophische Vorlesungen. Aber angstvoll um seine Seligkeit, erschüttertdurch den plötzlichen Tod eines Freundes und die Stimme des zürnendenGottes im Gewitter, ging er in demselben Jahre (gegen der Eltern Willen) insKloster zu den Augustinern und wurde 1507 Priester. Er las im Kloster eifrigdie Bibel und die Kirchenväter, vorzüglich den Augustinus. Seine Gewissens-anfechtungen konnten auch durch die härtesten Bußübungen nicht gestillt werden;doch brachte ihm Stäup itz, der Vorgesetzte des Ordens, Trost, und ein alterKlosterbruder richtete sein krankes Herz auf durch die Hinweisung auf dasWort des Apostels Paulus: der Mensch wird ohne Verdienst gerecht vor Gottdurch den Glauben. 1508 wurde er auf Empfehlung von Staupitz Professoran der (1502 von dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen gegründeten) UniversitätWittsnberg. 15101511 machte er in Klostsrgeschäften eine Reise nach Rom.Nach Wittenberg zurückgekehrt, wurde er 1512 Doktor der heiligen Schrift,welche er nun in Vorlesungen erläuterte, während er zugleich als Predigerthätig war.

2. Er griff in 95 Thesen, die er am Allerheiligenabend, 31. Ok-tober 1517, an die Schloßkirche zu Wittenberg schlug, zunächst den Ab-laßhandel an, welchen der Dominikanermönch Tetzel in Sachsen trieb.Der Papst Leo X., der zur Bestreitung des Ausbaues der Peterskirche<s. Kunstd. VUl, 1) den Ablaß ausgeschrieben hatte, ließ deshalb Luther,nachdem er ihn vergeblich zur Verantwortung nach Rom gefordert hatte,durch den Kardinal Cajet an (Thomas de Vio von GaSta) in Augsburgverhören. Allein weder dieser noch der später gesandte päpstliche Kämmer-ling Miltitz, der sich zu Altenburg mit Luther unterredete, konnte ihn zumWiderrufe bewegen. Doch versprach Luther über den Ablaß zu schweigen,sofern die Gegenpartei schweige.

3. Aber ein neuer Widersacher, der in dem Jngolstadter ProfessorDr. Eck sich gegen Luther erhob, bewog diesen, sich an der Disputation