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2. Moritz, der von dem Kaiser die Kurwürde und Johann FriedrichsLande erhallen hatte, trat jedoch — als er das allein noch »»bezwungeneprotestantische Magdeburg belagerte — plötzlich zur Partei seiner Glaubens-genossen über, drang unerwartet gegen den Kaiser in Tirol vor, nötigteihn zur Flucht und erzwäng den Passauer Vertrag 1552: den Protestantenwurde freie Religionsübung bewilligt, die gefangenen Fürsten losgegeben.Der Augsburger Religionsfriede 1555 bestätigte den Passauer Vertragund gestand den Anhängern der augsburgischen Konfession gleiche Rechtewie den Katholiken zu. (Geistlicher Vorbehalt.)
3. Karl V. legte 1556 die Regierung nieder und gab seinem SohnePhilipp Spanien, Neapel, Mailand, die Niederlande und Amerika; seinBruder Ferdinand, König von Böhmen und Ungarn, folgte ihm in derKaiserwürde. Karl starb zwei Jahre darauf im spanischen Kloster St.Juste, wohin er sich zurückgezogen hatte.
4. In der Schweiz war Ulrich ZWingli (geb. 1484), Pfarrer inZürich (vorher in Einsiedeln), bereits 1518 als Reformator aufgetreten.Er predigte, wie Luther, gegen den Ablaßhandel und ging in seinemWidersprüche gegen die bisherige Kirchenlehre noch weiter als Luther,von welchem er namentlich in der Erklärung des Abendmahls abwich.Eine besonders durch den Landgrafen von Hessen betriebene Vereinigungbeider Reformatoren (Religionsgespräch zu Marburg 1529) kam nichtzustande. Und so schieden sich die Anhänger der Reformation inLutheraner und Reformierte. Mehrere Schweizer Kantone (Zürich,Basel, Bern rc. rc.) nahmen die reformierte Lehre an. Zwischen ihnenund den katholisch gebliebenen Kantonen (den fünf Orten Schwyz, Uri,Unterwalden, Zug und Luzern) entstand offener Krieg, und Zwingli fielin der Schlacht bei Kappel 1531; doch blieb sein Werk bestehen, unddie reformierte Lehre breitete sich bald noch weiter aus, namentlich durchdie Wirksamkeit Johann Calvins (geb. 1509 zu Rayon in der Picardie,gestorben 1564) zu Genf.
Die lutherische Kirche umfaßte die norddeutschen Länder und Württem-berg, ferner Preußen, Livland, Dänemark, Schweden und Norwegen (s. unten);die reformierte verbreitete sich über große Teile der Schweiz, Westdeutsch-lands und Frankreichs, die nördlichen Niederlande, England und Schottland(s. unten).
5. Das Konzil zu Trient (1545—1563) setzte den Lehren der Re-formation die festbestimmte Lehre der römisch-katholischen Kirche entgegen,wodurch die Trennung beider Kirchen bleibend wurde. — Am erfolg-reichsten bekämpfte die Ausbreitung der Reformation der von dem SpanierJgnatius von Loyöla gestiftete Orden der Jesuiten.