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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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8 103.

Kullurzustände.

(8 91, 8 92, I., 3. Anm-, 8 93, 3.)

1. Die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts (Z 93, 3) wieder auf-lebenden Wissenschaften nahmen im 16. Jahrhundert einen erhöhtenAufschwung. Besonders erhielten sie eine kräftige Förderung durch dieReformation. Melanchthon (8 94, 3), derLehrer Deutschlands",regte die Gründung zahlreicher gelehrter Schulen an, durch welchewie durch die sich stets mehrenden Universitäten die Erforschung desgriechischen und römischen Altertums als die Grundlage aller höherenBildung gepflegt wurde. Die Altertumskunde übte dann wieder auf dieverschiedenen Zweige des Wissens den größten Einfluß aus. Zu gründ-licher Bibel- und Geschichtsforschung gaben die kirchlichen KämpfeVeranlassung. Der Elsässer Wimpfeling schrieb (in lateinischerSprache) die erste deutsche Geschichte; S leidanus die Geschichte derReformation und Karls V. (ebenfalls lateinisch). Hochbedeutsam warLuthers Bibelübersetzung, welche zugleich eine höhere Ausbildung derdeutschen Sprache (das Neuhochdeutsche) bewirkte. Eine völlige Umge-staltung erfuhren ferner die Naturwissenschaften durch die großenEntdeckungen, die sich an die Rainen eines Copernicus, Kepler und Galileiknüpfen. Copernicus (aus Thorn, gest. 1543) entdeckte das nach ihmbenannte wahre Weltsystem, Kepler (ein Württemberger, gest. 1630) dieGesetze der Planetenbewegung, der Italiener Galilei (gest. 1642) die Ge-setze des Pendels und des Falls. Des letzteren Schüler Torricelli er-fand 1643 das Barometer, der Bürgermeister von Magdeburg O. vonGuerike 1650 die Luftpumpe. Die Zeitrechnung wurde durch dieEinführung des gregorianischen Kalenders (nach Papst Gregor XIII.benannt) 1582 verbessert.

2. Die Künste gelangten zur höchsten Blüte in Italien, wo dieBekanntschaft mit den Werken des Altertums (8 93, 3), die hierdurchneuerweckte Begeisterung für das Schöne^md die Unterstützung kunst-liebender Fürsten (der Mediceer in Floren^, a.) und Päpste (Leo X.)die Talente zur Hervorbringung der vollendetsten Schöpfungen anregten.Namentlich hatte ihr goldenes Zeitalter die Malerei, in welcherdie Meister Lionardo da Vinci (durch sein Abendmahl), Corrcggio (durchseine heilige Nacht), Michel Angela (durch sein jüngstes Gericht), Tizian(durch seine Himmelfahrt Marias) und der vorzüglichste von allen