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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Rafael (durch seine Madonnenbilder, seine Gemälde im Vatikan, gest. 1520)hervorragten. In der Bildner ei glänzte vor allen Michel Angelo(Grabmale der Medici, Statue des Moses). Die Baukunst schufals ihr größtes Werk seit dem Verfall des gotischen Stils die Peters-kirche zu Rom (Kunstdkm. VIll, 1), deren Bau von Bram ante be-gonnen, von Michel Angelo (dem Meister dreier Künste) fortgesetztwurde. Um die Musik machte sich namentlich Palestrina ver-dient. Die Poesie (Z 92,1,3 und Z 93, 3) erhob sich zu hoher Voll-endung in den (epischen) Dichtungen des Ariost, der in demrasendenRoland" das abenteuerliche Ritterwesen schilderte, und des TorquatoTasso, der in dembefreiten Jerusalem" den ersten Kreuzzug ver-herrlichte.

Italien gab den Anstoß zu vollkommener Ausbildung der Dichtkunstin Portugal, wo Camoöns in einem großen Heldengedicht (dieLusiaden") die Auffindung des Seeweges nach Ostindien besang; und inSpanien, wo Cervantes den Don Quixote schrieb und Calderon durchdramatische Dichtungen sich auszeichnete. Den größten dramatischenDichter der ganzen christlichen Zeit aber brachte England hervor in Wil-liam Shakespeare, der unter Elisabeth und Jakob I. blühte (f 1616).

Deutschland trat in der Dichtkunst noch zurück, obwohl der Meister-gesang in dem fruchtbaren Nürnberger Poeten Hans Sachs seinen Höhe-punkt erreichte und das von Luther begründete evangelische Kirchen-lied (Paul Gerhardt) sich kräftig und reich entwickelte. Die deutscheMalerei hatte im Anfange des 16. Jahrhunderts eine Zeit des Glanzes,der durch die Namen eines Albrecht Dürer aus Nürnberg (die vier Tem-peramente), welcher auch Meister des Holzschnitts und des Kupfer-stichs war (fi 1548), eines Hans Holbein (der Totentanz) und LukasKranach (Christi Kindersegnung) bezeichnet wird. In den Nieder-landen erhielt dieselbe Kunst ihre höchste Ausbildung am Ende dieserPeriode durch Rubens (fi 1640), dem sich van Dyck und Rembrandtbeigesellen.

3. Der seit der Entdeck^ Amerikas und des Seeweges nach Ost-indien umgestaltete Handels 93 , 4 , H 97 , 1 . Amn. und § 99, 5),dessen Hauptplätze zuerst Lissabon und hierauf Amsterdam waren, wurdebefördert durch Eröffnung von Messen (Leipzig, Braunschweig rc. rc.),durch Errichtung von Börsen (in Antwerpen, Amsterdam, London), durchVerbesserung des Postwesens (Thurn- und Taxissche Posten) rc. rc. DerGewerbfleiß wurde bereichert und unterstützt durch die Erfindung der