Buch 
Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
Entstehung
Seite
190
JPEG-Download
 

190

Wurde Kaiser (Karl VI.) und Herr der österreichischen Länder. Daherentzogen dem Kaiser seine Verbündeten, welche die Vereinigung der spa-nischen und österreichischen Macht unter einem Haupte nicht wünschten,ihre Hilfe und schloffen mit Frankreich

3. den Utrechter Frieden 1713, in welchem Philipp V. als Königvon Spanien und Indien anerkannt wurde unter der Bedingung, daß diespanische und französische Krone nie vereinigt werden dürften (HausBourbon in Spanien). England bekam von Spanien Gibraltar undvon Frankreich Neufundland und die Hudsonsländer; Preußen erwarb dasOberquartier Gelbem und die allgemeine Anerkennung seiner KönigZwürde.Darauf schloß auch der Kaiser mit Frankreich Frieden zu Anstatt 1714und erhielt in demselben die spanischen Niederlande, Neapel, Mailandund Sardinien (das er bald an den Herzog von Savoyen gegen Sizilienvertauschte). Die Kurfürsten von Bayern und von Köln bekamen ihreLänder zurück. Dem Rastatter Frieden trat das deutsche Reich bei zuBaden (im Aargau).

8 108.

Schweden, Polen und Rußland.

Gleichzeitig mit dem spanischen Erbfolgekrieg wurde auch im Nordenein großer Krieg geführt: von Schweden gegen Dänemark, Polen undRußland.

1. Schweden war seit dem dreißigjährigen Kriege die erste Machtdes Nordens. Auf Gustav Adolf war 1632 seine Tochter Christine alsKönigin gefolgt. Diese legte jedoch 1654 die Krone nieder, verließSchweden und trat dann im Auslande zur katholischen Kirche über. IhrVetter Karl X. Gustav (16541660), mit welchem das Haus Pfalz-Zweibrücken auf den schwedischen Thron kam, erweiterte den Umfangund die Macht des Reiches durch glückliche Kriege gegen die Polen (sieg-reiche Schlacht bei Warschau 1656) und die Dänen. Dessen NachfolgerKarl XI. regierte friedlich. Ihm folgte 1697 auf dem Throne sein nochminderjähriger Sohn Karl XII.

2. Polen war seit 1572 ein Wahlreich.

Als Reich war Polen von den Plasten d. i. von den Nachfolgern des Her-zogs Piast im 9. Jahrhundert gegründet, durch Boleslav I-, der sich 1025zum König krönen ließ, an Macht erweitert, dann zerteilt, aber von dem letztenKönige dieses Stammes, Kasimir dem Großen, durch Galizien vergrößertworden. Nach dessen Tode vereinigte sein Schwestersohn, der König Ludwig