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der Große von Ungarn, Polen mit Ungarn 1370. Durch Vermählung seinerjüngeren Tochter Hedwig mit dem Großfürsten Jagello in Littauen kam danndas Haus der Jagclloncn (1386—1572) auf den polnischen Thron. Unter denbeiden letzten Herrschern aus diesem Stamme gewann das Reich seine größteAusdehnung, sodaß es vom Schwarzen Meere bis zur Ostsee sich erstreckte. Nachdem Aussterben des jagellonischen Mannsstammes 1572 wurde es in ein völligesWahlreich umgewandelt.
Die königliche Macht wurde durch den übermächtigen Adel (polnischeReichstage), der den König jedesmal wählte, sehr beschränkt. Deshalbgeriet das Reich, trotz seines großen Ländergebiets, mehr und mehr inSchwäche und Verfall. Livland ging an die Schweden verloren, Preußenmachte sich unabhängig (ß 112, 2), und selbst der tapfere König JohannSobiesky (Z 106) war nicht imstande, das Land wieder zu heben. SeinNachfolger August II. der Starke, Kurfürst von Sachsen (der, um diepolnische Krone zu erlangen, katholisch geworden war, s. Z 106), suchtenun Livland von Schweden wieder zu gewinnen und verband sich des-halb mit
3. Rußland, das anfing, zu größerer Macht emporzuwachsen.
Das russische Reich — von Normannen (Warägern) unter Rurik imS. Jahrhundert gegründet, im 10. Jahrhundert zur griechisch-katholischen Kirchebekehrt, dann durch Teilungen in eine Anzahl kleiner Fürstentümer zerspalten,welche im 13. Jahrhundert von den Mongolen unterjocht wurden und zweiJahrhunderte lang ihnen zinsbar waren (Z 83,5) — wurde zu einer unteilbarenGesamtmonarchie vereinigt durch Iwan III. den Großen (si 1505), welcherdes Reiches Umfang durch Eroberungen erweiterte und sich zuerst „Selbst-herrscher aller Reichen" nannte. Iwan IV. der Schreckliche (bis 1584)nahm den Zarstitel an, legte durch Errichtung der Streichen (Leibgarde) denGrund zu einem stehenden Heere, unterwarf Kasan und Astrachan und beganndie Eroberung Sibiriens. Als aber mit seinem Sohne (1598) der rurikscheMannsstamm erlosch, wurde das Reich durch Thronstreitigkeiten erschüttert,bis 1613 Michael aus dem Geschlechte der Romanow (eines Zweiges derRurik) zum Zaren gewählt wurde.
Unter den Zaren aus dem Hause Romanow (1613—1762) gewanndas Reich europäische Bedeutung. Der Gründer seiner Größe warPeter I. der Große (1689—1725).
Pctcr, geb. 1672, beim Tode seines Vaters, des Zaren Alexei, ein 4jährigesKind — 1682 (nach dem Ableben des Zaren Feodor 111., seines Halbbruders)unter der Vormundschaft seiner Mutter zum Zaren ausgerufen — infolge einesAufruhrs der Streichen erhält seine Halbschwester Sophie die Regentschaft —Peter in Preobraschenskoi — sein Lehrer der Genfer Lefort — Soldatenspielemit den „Kameraden" des Zaren — 1689 Sophie ins Kloster verstoßen, PeterAlleinherrscher.
Sein Streben ging dahin, europäische Kultur in Rußland ein-zuführen und dessen Grenzen bis zur Ostsee und zum Schwarzen Meere