199
5. Joachim I. Nestor (1499—1535) war entschiedener Gegner derReformation, stiftete die Universität zu Frankfurt a. O. und das Kammer-gericht zu Berlin und vernichtete durch strenge Bestrafung der adeligenWegelagerer und Landbeschädiger das Raubwesen.
6. Joachim II. Hektor (1535—1571). führte 1539 die Refor-mation ein. Mit dem Herzog von Brieg/ Liegnitz und Wohlau schloßer einen Erbvertrag, nach welchem diese Lande beim Erlöschen des herzog-lichen Hauses an Brandenburg fallen sollten.
7. Johann Georg (1571—1598) beförderte dieGewerbsthätigkeit,indem er viele im Kriege gegen Spanien vertriebene reformierte Nieder-länder in sein Land aufnahm.
8. Joachim Friedrich (1598—1608) übernahm die vormund-schastliche Verwaltung Preußens für dessen blödsinnigen Herzog AlbrechtFriedrich (s. u.).
9. Johann Sigismund (1608—1619) machte nach dem Todedes kinderlosen Herzogs (Johann Wilhelm) von Jülich (1609) Ansprücheauf dessen Hinterlassenschaft, da seine Gemahlin die Tochter der ältesten(mit dem Herzog Albrecht Friedrich von Preußen vermählt gewesenen)Schwester des Herzogs war. Da auch der Pfalzgras (Wolfgang Wilhelm)von Neuburg als Sohn der zweiten (noch lebenden) Schwester das Erbeforderte, so entstand der jülichsche Erbfolgestreit 1609. Derselbeendete mit einem Vergleich (Teilungsvertrag zu Xanten 1614), in welchemder Kurfürst von Brandenburg, der (1613) zur reformierten Lehreübergetreten war, Kleve, Mark und Ravensberg, der katholisch gewordenePfalzgraf Jülich und Berg (mit Düsseldorf) erhielt. Nach dem Todeseines Schwiegervaters, des Herzogs von Preußen, vereinigte der Kurfürstdessen Land mit Brandenburg 1618 (ß 111, L. 2).
Das Kurfürstentum Brandenburg umfaßte unter Friedrich I. 535, unterJoachim Friedrich 716 Q.-Meilen; durch Johann Sigismunds Erwerbungenwuchs der Staat bis auf 1472 Q.-Meilen.
L. Preußen bis 1618.
1. Die Preußen, ein Zweig des an der untern Weichsel bis zumfinnischen Meerbusen ausgebreiteten Slavenstammes, waren heidnisch ge-blieben, als die Livländer, Esthen und Kurländer bereits das Christentumangenommen hatten und durch den Orden der Schwertbrüder (ge-stiftet 1201) unterworfen worden waren.
„Die Pruzzen — berichtet der alte Geschichtschreiber Adam von Bremenum 1075 — sind sehr menschenfreundliche Leute, die denen, welche auf demMeere Gefahr leiden oder von Seeräubern angefallen werden, zuhilfe entgegen-