200
fahren. Gold und Silber achten sie gering. Überfluß haben sie an kostbarenMarderfellen. Von ihren Sitten könnte man viel Lobenswertes sagen, wenn sienur den Christenglauben hätten, dessen Prediger sie jedoch voll Wildheit ver-folgen. Bei ihnen erlangte Ad albert, der erlauchte Bischof von Böhmen79, Anm.), die Märtyrerkrone. Bis auf den heutigen Tag wird in Wahr-heit noch den Unsern von ihnen der Zutritt zu den Hainen und Quellen ver-wehrt, die, wie sie behaupten, durch den Besuch der Christen unrein würden.Das Fleisch der Pferde dient ihnen zur Nahrung; auch trinken sie deren Blut.Die Menschen haben blaue Augen, ihr Gesicht ist rot, das Haar lang. Unzugäng-lich durch Sümpfe, wollen sie keinen Herrn in ihrer Mitte dulden."
2. Zu ihrer Bezwingung rief der Herzog Konrad von Masovien(s. Karte X) die Hilfe des deutschen Ordens (Z 88,1, e.) an. DerHochmeister Hermann von Salza sandte 1227 eine Anzahl Ritterunter dem Landmeister Hermann Ba lk, denen bald ein größeres Kreuz-heer nachfolgte. In fünfzigjährigem blutigen Kampfe eroberte der Orden,mit den Schwertbrüdern vereinigt, das Land, in welchem er mit der Ein-führung des Christentums zugleich deutsche Kultur verbreitete (An-legung deutscher Städte, wie Kulm, Thorn, Elbing, Königsberg). 1309wurde der Sitz des Hochmeisters von Venedig nach Marienburg ver-legt, und seitdem dehnte der Orden sein Gebiet mehr und mehr aus, bisdie Niederlage bei Tannenberg 1410 gegen den König von Polenseine Macht brach. Im Frieden zu Thorn 1466 verlor er West-preußen an Polen und mußte die polnische Lehenshoheit über Ostpreußenanerkennen. (Verlegung der Residenz des Hochmeisters nach Königsberg.)Der Hochmeister Albrecht von Brandenburg trat 1525 der Refor-mation bei (ß 94) und nahm Preußen als erbliches Herzogtum vonPolen zu Lehen. Sein Sohn, der blödsinnige Herzog Albrecht Fried-rich (1568—1618), hinterließ das Land seinem Schwiegersöhne, demKurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg.
8 112 .
Brandenburg von 1618—1701.
1. Unter Georg Wilh e lm16l9—1640, dem schwächsten derHohen-zollern, verheerte der dreißigjährige Krieg das Land. Sein Sohn
2. Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst 1640—1688, wurde derBegründer der Größe des Staates.
Geb. 1620, Neffe des Schwedenkönigs Gustav Adolf — kommt 14jährignach Holland, das damals auf seinem Höhepunkt stand, studiert in Leiden undlebt dann eine zeitlang im Haag am Hose des kriegskundigen und staatsweisenStatthalters Friedrich Heinrich von Oranien — der Bermählungsplan