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Friedrich II. war geboren am 24. Januar 1712; seine Mutter (SophieDorothea) eine Tochter des Kurfürsten von Hannover und Königs Georg 1. vonEngland — eine Französin die Erzieherin seiner ersten Kindheit — vom7. Jahrean seine Erziehung von Männern geleitet; nach des Vaters Vorschrift soll derKronprinz zum guten Soldaten, guten Wirt und guten Christen erzogen werden
— seine Vorliebe für französische Bücher, für Dichtkunst und Flötsnspiel ent-fremdet ihn mehr und mehr dem Vater, der die „Poe.terei und Querpfeiferei"haßt — die vergeblichen Bemühungen der Königin, den Kronprinzen mit einerTochter ihres Bruders, Georgs II. von England, zu vermählen, steigern desKönigs Zorn — der Fluchtversuch bei Mannheim 1730 wird entdeckt, Friedrichgefangen genommen — ein Kriegsgericht in Köpenick soll den .davongelaufenenOberstlieutenant Fritz' zum Tode verurteilen — strenge Haft in Küstrin —Friedrichs Vertrauter, der Lieutenant v. Katte, vor des Kronprinzen Gefängnishingerichtet — der Feldprediger Müller weckt des Kronprinzen Reue — Fried-richs Beschäftigung bei der Kriegs- und Domänenkammer in Küstrin — end-liche Versöhnung des Vaters, Vermählung mit einer Prinzessin von Braun-schweig-Bevern — Oberst eines Regiments in Ruppin — heiteres Leben undwissenschaftliche Beschäftigung in Rheinsberg (bei Ruppin), Verkehr mit geist-reichen Männern, Briefwechsel mit Voltaire — 1734 beim polnischen Erb-folgekriege (ß 110, 3) zuerst im Felde, wo der alte Prinz Eugen erklärt:„Alles an Ihnen verrät mir, daß Sie einst ein tapferer Feldherr sein werden'
— auch vom Vater wird noch seine hohe Tüchtigkeit freudig anerkannt —Thronbesteigung am 81. Mai 1740.
Er erbte von seinem Vater einen wohlgeordneten Staat von fast2300 Qnadratmeilen mit 2240000 Einwohnern, einen Schatz von 9 Mil-lionen Thalern und ein trefflich geübtes Heer von 83000 Mann. Umdiese Macht zu erhöhen, begann er den Kampf mitÖsterreich, wo nachKarls VI. Tode (Oktober 1740) dessen Tochter Maria Theresia (geb.1717, Gemahlin des lothringischen Herzogs Franz Stefan von ToskanaZ 110, 3) vermöge der pragmatischen Sanktion (Z 110, 4) die Regierungangetreten hatte. Friedrich erhob infolge des Erbvertrags unter dem Kur-fürsten Joachim II. (Z 111, L., IV, 6) anf die schlesischen HerzogtümerBrieg, Liegnitz und Wohlau (und Jägerndorf), welche Österreich an sichgenommen hatte, Ansprüche, und da Maria Theresia diese nicht an-erkannte, entstand
2. der erste schlesische Krieg 1740—1742. Friedrich rückte imDezember 1740 in Schlesien ein, eroberte das Land binnen Monatsfristund siegte dann bei Molwitz 1741 (Feldmarschall Schwerin). 1742drang er in Mähren vor und erzwäng durch den Sieg bei Czaslau(und Chotusitz) den Frieden zuBreslau, in welchem er Schlesien unddie Grafschaft Glatz erwarb (700 Q.-M. mit 1400000 Einw.). Unter-dessen war