207
trat 8 128, 1). In unermüdlicher, alles umfassender Thätigkeit bewährteer sein Wort. daß der König der „erste Diener des Staates" sei. SeineErholung suchte er in der Musik (Flötenspiel) und Poesie, im Brief-wechsel und im Umgänge mit Gelehrten, die er auf seinem LustschlosseSanssouci um sich versammelte. Er selbst schrieb mehrere Werke, beson-ders über seine Regierungs- und Kriegsthaten, sämtlich in französischerSprache, da er die deutsche Sprache und Bildung geringschätzte. Unddoch glänzten schon Klopstock und Lessing; auch Goethe fing an berühmtzu werden, und die Dichter Kleist, Namler, Gleim u. a. ermüdeten nicht,des großen Königs Ruhm zu besingen. Auch die christlichen Glaubens-wahrheiten blieben, namentlich infolge mangelhafter Erziehung, FriedrichsSinne um so fremder, jemehr er der neuen „Aufklärung" zugethanwar, die besonders durch französische Schriftsteller verbreitet wurde.Gleichwohl ein durchaus deutscher Mann, ein sittlich ernster Fürst, ein-fach, sparsam, ganz seinem Volke lebend, hat er durch seine Regenten-größe selbst seinem Gegner Kaunitz das Zeugnis abgenötigt, daß er, „wiekaum ein zweiter in der Geschichte den Thron und das Diadem geadelt"habe. Er starb, von Europa bewundert, am 17. August 1786, nachdemer seinen Staat in der ersten Teilung Polens (§ 118, 2) weitervergrößert hatte, sodaß derselbe fast 3600 Quadrat-Meilen mit 6 MillionenEinwohnern umfaßte. Ihm folgte sein Neffe Friedrich Wilhelm II.(8 128, 1).
2. Nach dem Tode des Kaisers Franz I. wurde dessen Sohn Josef II.(1765—1790) deutscher Kaiser. Bis zum Tode seiner Mutter (1780)war er jedoch nur Mitregent in den österreichischen Staaten. Als inBayern mit Maximilian Josef (1777) die bayerische (jüngere) Linie desHauses Wittelsbach ausstarb, suchte er dieses Land zu erwerben (baye-rischer Erbfolge streit), mußte es aber, da Friedrich der Große da-gegen auftrat, an den rechtmäßigen Erben, Kurfürsten Karl Theodorvon der Pfalz (das Haupt der älteren wittelsbachischen Linie), über-lasten (im Frieden zu Teschen 1779). Sein späterer Versuch, Bayemdurch Tausch gegen die österreichischen Niederlande zu erhalten, wurdedurch den von Friedrich dem Großen gestifteten deutschen Fürstenbund(1785) vereitelt. In seinen Staaten machte Josef viele neue Einrich-tungen, indem er bei den verschiedenen Völkern derselben gleiche Gesetz-gebung und Verwaltung einführen wollte, die Leibeigenschaft aufhob, diemeisten Klöster einzog. Von seinen kirchlichen Neuerungen ließ er sichauch durch den persönlichen Besuch des Papstes Pius VI. in Wien nichtzurückbringen.